Der Regierungsetatentwurf sieht 1,44 Milliarden Euro für das Digitalministerium vor. Trotz Plus drohen beim Verwaltungsumbau und KI-Projekten finanzielle Einbußen.
Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 liegt vor und setzt im Einzelplan 24 spürbare finanzielle Akzente für das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS). Auf den ersten Blick dürfen sich Digitalpolitiker und Verwaltungsmodernisierer über ein deutliches Plus freuen: Das Budget des Ressorts steigt im Vergleich zum Vorjahr von 1,36 Milliarden Euro um rund 84,6 Millionen Euro auf insgesamt etwa 1,44 Milliarden Euro. Doch eine differenzierte Betrachtung der Zahlen zeigt ein vielschichtiges Bild zwischen gewachsenem Investitionsdruck in der Bundes-IT, Umschichtungen, strukturellen Sparvorgaben und einer starken Abhängigkeit von Mitteln außerhalb des regulären Kernhaushalts.
Innerhalb des Etats verschieben sich die Ausgabenstrukturen signifikant. Den größten Posten im Regierungsentwurf bilden die sächlichen Verwaltungsausgaben, die von bisher 448,3 Millionen Euro kräftig auf rund 588 Millionen Euro aufgestockt werden. Auch die Personalausgaben erfahren einen deutlichen Sprung von 42,9 Millionen Euro auf 76,8 Millionen Euro, was den gewachsenen Personalbedarf und den Ausbau der ministeriellen Strukturen widerspiegelt. Dagegen bleiben die Zuweisungen und Zuschüsse mit rund 543,3 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 547,5 Millionen Euro, listet Heute im Bundestag auf. Die Investitionen im Kernhaushalt steigen marginal von 321 Millionen auf 326,2 Millionen Euro an.
Ein auffälliges Novum im Einzelplan 24 ist eine global veranschlagte Minderausgabe von 90 Millionen Euro für Effizienzmaßnahmen, die das Ministerium durch interne Einsparungen erst noch erwirtschaften muss. Zudem brechen die Verpflichtungsermächtigungen für die Folgejahre massiv ein: Sie belaufen sich für 2027 nur noch auf rund 382,5 Millionen Euro, nachdem sie 2026 noch bei beeindruckenden 1,78 Milliarden Euro gelegen hatten – ein Indiz dafür, dass langfristige Neuprojekte im Kernetat derzeit verhaltener aufgelegt werden.
Der unangefochtene Schwerpunkt des Budgets liegt auf der Absicherung und Modernisierung der eigenen Systeme des Bundes. Mit knapp 1,09 Milliarden Euro fließt der Löwenanteil des Kapitals in die IT-Infrastruktur des Bundes (Kapitel 2402), was einem Aufwuchs von rund 130 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Fundament dieser Aufwendungen bildet unverändert der Schutz der informationstechnischen Systeme mit rund 501 Millionen Euro. Für die Umsetzung der IT-Konsolidierung Bund, die auf Basis des Deutschland-Stacks einheitliche Cloud-, Kommunikations- und Verwaltungslösungen sowie standardisierte IT-Arbeitsplätze für die Bundesverwaltung bereitstellen soll, sind 219,7 Millionen Euro vorgesehen.
Ergänzend wird erstmals die IT-Betriebskonsolidierung Bund mit rund 154,6 Millionen Euro im Einzelplan ausgewiesen. Ziel ist es, cloudfähige Serverlösungen der unmittelbaren Bundesverwaltung auf standardisierten virtuellen Servern der Bundescloud 2.0 in den Rechenzentren des Informationstechnikzentrums Bund zusammenzuführen. Die allgemeine IT des Bundes schlägt mit 210,8 Millionen Euro zu Buche, wovon unter anderem 77,8 Millionen Euro auf KI-Governance und digitale Basisdienste entfallen, 56,6 Millionen Euro auf die Föderale IT-Kooperation und 24 Millionen Euro auf das Plattformökosystem für Genehmigungsverfahren. Neu im Tableau ist ein Posten von sechs Millionen Euro für die Steuerung der Cybersicherheit.
Während die eigene IT-Infrastruktur ausgebaut wird, müssen gesellschaftlich und wirtschaftlich adressierte Segmente Dämpfer hinnehmen. Das Kapitel für Digitalpolitik, digitale Innovationen und Konnektivität (Kapitel 2401) schrumpft um rund 14,1 Millionen Euro auf 208,4 Millionen Euro. Innerhalb der digitalen Innovationen sinken die Mittel für souveräne Dateninfrastrukturen, Datenverfügbarkeit und KI von 89 Millionen auf 81,2 Millionen Euro. Auch der Titel für digitale Souveränität und Ökosysteme digitaler Innovationen, der unter anderem die Sovereign Tech Agency finanziert, verzeichnet einen leichten Rückgang auf 28,3 Millionen Euro.
Ein positives Signal gibt es dagegen bei den Zuschüssen für innovative KI-Anwendungen, die von 26 Millionen auf 35,2 Millionen Euro klettern. Zurückhaltender fällt die Förderung neuer softwaregesteuerter Netztechnologien mit insgesamt 23,4 Millionen Euro aus. Die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft muss eine Reduzierung ihrer Verwaltungsausgaben von 20 auf zwölf Millionen Euro verkraften, während die Mittel für das Gigabitbüro unverändert bei 3,6 Millionen Euro liegen. Nahezu konstant zeigt sich auch das Kapitel Staatsmodernisierung und Bürokratierückbau mit 62,9 Millionen Euro, aus dem unter anderem das Zentrum für Legistik sowie der Effizienzfonds der Modernisierungsagenda finanziert werden.
Dass die Digitalisierung in Deutschland trotz der verhaltenen Dynamik im Kernhaushalt vorankommen könnte, liegt vor allem an den massiven Finanzmittelreserven außerhalb des Einzelplans 24. Im Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) stehen in der Titelgruppe Investitionen in die Digitalisierung 2027 insgesamt beeindruckende 9,04 Milliarden Euro bereit. Das BMDS bewirtschaftet davon direkt sechs Titel mit einem Volumen von rund 3,75 Milliarden Euro – eine deutliche Steigerung gegenüber den 3,11 Milliarden Euro des Jahres 2026, abgesichert durch weitere 3,14 Milliarden Euro an Verpflichtungsermächtigungen. Den größten Einzelposten bildet hierbei die Förderung des flächendeckenden Breitbandausbaus, die von 2,26 Milliarden auf rund 2,61 Milliarden Euro aufgestockt wird. Die Förderung des Mobilfunkausbaus sinkt leicht auf 150 Millionen Euro.
Prägnant ist der Aufwuchs bei den Investitionen in die Digitalisierung der Verwaltung aus dem Sondervermögen. Der Ansatz für die Titelgruppe Bürgerkonto, Infrastruktur und KI in Verwaltung und Wirtschaft verdoppelt sich beinahe von 256 Millionen auf rund 495 Millionen Euro. Für die IT-Transformation und Dienstleistungen werden knapp 200 Millionen Euro bereitgestellt, nachdem es 2026 lediglich 45 Millionen Euro waren. Diese Steigerungen resultieren jedoch primär aus der Nachveranschlagung im Jahr 2025 nicht abgeflossener Mittel sowie einer realistischeren Anpassung an prognostizierte Mittelabflüsse. Für die Implementierung des europäischen Identitätsökosystems und der EUDI-Wallet stehen verlässliche 155 Millionen Euro zur Verfügung, während die Budgetierung für die Modernisierung der Registerlandschaft von 194 Millionen auf rund 146,8 Millionen Euro zurückgeht.
Wie ist dieser Budgetentwurf nun zu bewerten, und schafft er die Wende für Deutschlands Digitalisierung? Die Antwort fällt gemischt aus. Positiv ist unstrittig, dass der Bund mit der konsequenten Aufstockung für die IT-Infrastruktur, die Bundescloud 2.0 und den Breitbandausbau technologische Fundamente stärkt. Das Bekenntnis zu verlässlicher Cyber-Sicherheit und die Aufstockung der Mittel für praktische KI-Anwendungen setzen richtige Schwerpunkte. Auch die Bereitstellung immenser Finanzmittel im SVIK-Sondervermögen für Verwaltungsleistungen zeigt, dass der politische Wille vorhanden ist, bestehende Rückstände bei OZG-Folgeprojekten und Bürgerkonten abzutragen.
Kritisch bleibt jedoch die Tatsache, dass das scheinbare Plus der Verwaltungsdigitalisierung zu weiten Teilen auf Reste früherer Jahre zurückgeht – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Nadelöhr in Deutschland selten das Geld an sich ist, sondern vielmehr komplizierte Beschaffungswege, behördliche Silos und langwierige Umsetzungsprozesse. Wenn nicht abgeflossene Mittel aufgetürmt und nachveranschlagt werden müssen, fehlt es an der Durchsetzungskraft vor Ort. Zudem schmerzt der Sparstift bei der digitalen Souveränität und den Dateninfrastrukturen, ausgerechnet in einer Phase, in der geopolitische Abhängigkeiten verringert werden müssten.
Die globale Minderausgabe von 90 Millionen Euro erzeugt zusätzlichen Rechtfertigungsdruck im BMDS. Der Haushaltsentwurf 2027 liefert so zwar ein robustes finanzielles Fundament und verhindert Stillstand. Ein dynamischer Befreiungsschlag für den digitalen Staat sähe indes anders aus. Ob die Digitalisierung schneller vorankommt, entscheidet sich 2027 weniger an der Höhe der Zahlen im Einzelplan als vielmehr an der Umsetzungsgeschwindigkeit der Verwaltung.
Stefan Krempl