Diese Dystopie aus einem schlechten Science-Fiction-Roman ist für die US-Regierung unter Donald Trump bereits in vollem Gange: Der Aufbau einer zentralen Datenbank, die intimste Details über jeden Einwohner der Vereinigten Staaten bündelt und mithilfe von Künstlicher Intelligenz durchsuchbar macht. Was die Administration offiziell als Maßnahme gegen Bürokratie und Betrug deklariert, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein mächtiges Werkzeug zur Überwachung und potenziellen Schikane der eigenen Bevölkerung. Die Freedom of the Press Foundation will daher nun laut The Intercept Klage gegen die Regierung einreichen, um Licht in das Dunkel hinter diesem massiven Datenhunger zu bringen.
Den Grundstein für dieses Szenario legte Trump bereits vor einem Jahr. Mit einer Exekutivverordnung, die den harmlos klingenden Titel „Stopp von Verschwendung, Betrug und Missbrauch durch die Beseitigung von Informations-Silos“ trägt, weitete er die Option für den Datenaustausch innerhalb der Bundesbehörden deutlich aus. Doch hinter der Rhetorik von Effizienz und Verschlankung verbirgt sich ein frontaler Angriff auf langjährige Datenschutzbestimmungen. Bisher galt der Grundsatz, dass Behörden Daten nur dann teilen dürfen, wenn dies für ihre spezifische Aufgabe absolut notwendig ist. Trump hat diesen Schutzwall mit der sprichwörtlichen Machete eingerissen, um an dessen Stelle eine gigantische Data-Mining-Operation zu setzen.
Die Auswirkungen dieser Politik werden nun schrittweise sichtbar, auch wenn die Regierung versucht, die Berichte über die Umsetzung unter Verschluss zu halten. So erhielt die CIA erweiterten Zugriff auf nationale Datenbanken der Strafverfolgungsbehörden, wodurch die traditionell strikte Trennung zwischen Auslandsspionage und inländischer Polizeiarbeit weiter aufweicht. Selbst das neu geschaffene „Department of Government Efficiency“ greift laut Whistleblower-Berichten direkt auf Zahlungssysteme des Finanzministeriums zu, inklusive Sozialversicherungsnummern und Geburtsdaten. Sogar die Gesundheitsdaten von Medicaid-Empfängern oder biometrische Informationen von Flugreisenden landen nun in den Händen der Einwanderungsbehörden.
Experten warnen davor, dass diese Entwicklung nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Das erklärte Ziel der Administration scheint die Schaffung eines gläsernen Bürgers zu sein. Durch die Zusammenführung von Finanzdaten, Gesundheitsakten, Standortverläufen und sogar Online-Aktivitäten lassen sich detaillierte Profile erstellen, die politisch instrumentalisiert werden können. Kritiker befürchten, dass diese Informationen für Vergeltungsmaßnahmen gegen Oppositionelle oder zur massenhaften Überwachung unliebsamer Gruppen genutzt werden könnten.
Besonders besorgniserregend ist dabei die Rolle der künstlichen Intelligenz. Während das Heimatschutzministerium seine Überwachungskapazitäten rasant ausbaut, wird KI eingesetzt, um die geernteten Datenpunkte in Echtzeit zu analysieren und Muster zu erkennen. Was früher mühsame Kleinarbeit für Ermittler war, erledigen heute Algorithmen auf Knopfdruck. Die Beseitigung der Informations-Silos erweist sich hierbei als Fehler für die Sicherheit. Diese Trennungen waren nie eine bloße Ineffizienz, sondern ein bewusst eingebauter Schutzmechanismus gegen Machtmissbrauch.
Zusätzlich zur Gefahr des staatlichen Missbrauchs schafft die Zentralisierung ein enormes Sicherheitsrisiko nach außen. Eine einzige Datenbank, die alle sensiblen Informationen der Amerikaner bündelt, fungiert als „Single Point of Failure“. Für Cyberangreifer oder ausländische Geheimdienste wird sie zum ultimativen Ziel. Gelingt ein Einbruch, liegen die intimsten Details eines ganzen Volkes offen.
Während die Regierung immer gieriger nach den Daten ihrer Bürger greift, verschließt sie sich gleichzeitig der öffentlichen Kontrolle. Wichtige Informationen über das Klima, den Haushalt oder die Wirtschaft wurden systematisch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Regierung verwandelt sich in einen Einwegspiegel: Sie sieht alles, während der Bürger im Dunkeln bleibt. Die Klage der Freedom of the Press Foundation soll nun erzwingen, dass die Berichte über die Datenbankpläne offengelegt werden. Es geht um nicht weniger als das Recht auf eine individuelle Identität und den Schutz vor einem Staat, der seine Bürger nicht mehr als zu schützende Subjekte, sondern als zu verwaltende Datensätze betrachtet.