Das Bundesdigitalministerium integriert die in einer Innovationspartnerschaft entwickelte KI-Assistenz Spark für Planungsverfahren in den Deutschland-Stack.
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) treibt die Digitalisierung deutscher Behörden voran und hat die KI-Lösung „Spark Workflow“ vollständig quelloffen veröffentlicht. Unter dem Leitsatz „Public Money, Public Code“ steht die Software ab sofort auf der Plattform Open Code für alle bereit. Damit folgt das BMDS dem Ruf nach digitaler Souveränität und ermöglicht es Kommunen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft, die Werkzeuge ohne Lizenzgebühren zu nutzen, anzupassen und weiterzuentwickeln.
Das Projekt gilt als zentraler Baustein des künftigen Deutschland-Stacks. Das Ziel von Spark – was für „Schnellere Planung und Realisierung durch KI“ steht – ist eine Beschleunigung von komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Diese langwierigen Prozesse, die für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur in Deutschland als essenziell gelten, dauerten bisher oft Monate oder gar Jahre.
Durch den Einsatz der KI als operative Assistenz sollen administrative Abläufe künftig zeitlich halbiert werden. Finanziert wird das Vorhaben über den Klima- und Transformationsfonds. Dabei geht es dem Ministerium zufolge explizit nicht darum, den Menschen durch Technologie zu ersetzen. Vielmehr soll die KI-Assistenz die Beschäftigten in den Genehmigungsbehörden effektiv von zeitaufwändigen Routineaufgaben und dicken Aktenstapeln entlasten, indem sie die Informationsflut bändigt. Die endgültige fachliche Entscheidung verbleibe so zu jedem Zeitpunkt transparent bei den Mitarbeitern der Behörden, heißt es. Die KI bereite lediglich fundierte Prüf- und Bewertungsvorschläge vor.
Von Dokumentenprüfung bis Rechtsdogmatik
Die technische Entwicklung der Module wurde in einer agilen Innovationspartnerschaft realisiert, an der das Beratungsunternehmen PwC Deutschland und die KI-Beratung Alexander Thamm als Partner beteiligt waren. Jüngst betonte Thamm auf LinkedIn die Rolle seiner Firma als Innovationspartner des BMDS. Die Entwicklung der praxistauglichen Workflow-Lösung habe gemeinsam mit PwC Deutschland innerhalb von nur wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen werden können. Dabei ließ das BMDS parallel zwei unterschiedliche technische Ansätze für dieselben Herausforderungen verfolgen: „Spark Workflow“ und „Spark API“.
Die Funktionsweise der Systeme orientiert sich an der realen juristischen Arbeitsweise deutscher Behörden. Technisch setzt das System genau dort an, wo es in der Praxis meist hakt: beim Sichten, Strukturieren und Prüfen von Dokumenten. Die nun veröffentlichten Module decken typische Kernaufgaben ab, wie die automatisierte Inhaltsextraktion aus umfangreichen Antragsunterlagen sowie die formale Vollständigkeitsprüfung inklusive Plausibilitätschecks.
Das System erkennt dem BMDS zufolge sofort, ob Dokumente fehlen oder Angaben innerhalb der Anträge widersprüchlich sind. Das Herzstück bilde eine mit KI-Agenten unterstützte digitale Rechtsdogmatik. Diese sei direkt an Gesetzesdatenbanken angeschlossen, unterteile geltende Normen automatisiert in ihre kleinsten Prüfbestandteile und nehme eine juristische Bewertung vor. Ferner verfügt die Anwendung über ein KI-gestütztes Einwendungs- und Beteiligungsmanagement. Es kann die oft massenhaften Eingänge aus der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung in einzelne Argumente zerlegen und so selbst riesige Eingangsvolumina sortieren. Das System ist verfahrens- und domänenunabhängig konzipiert, was eine breite Wiederverwendung über Bund, Länder und Kommunen hinweg ermöglicht.
Erste Pilotphasen und Ausblick auf KI-Agenten
Erste Piloten der Anwendung laufen beim Fernstraßen-Bundesamt sowie im Rahmen des Hamburger Projekts DiPlanung. Nach einer ersten Veröffentlichung von Teilmodulen im April wurden die Komponenten auf Basis des Feedbacks aus der Community optimiert. Weitere Open-Source-Releases, die sich dann auch der materiellen Prüfung und der finalen Beschlusserstellung widmen, sollen in den kommenden Monaten folgen. Um die Weiterentwicklung der Software im Sinne des Open-Source-Gedankens voranzutreiben, veranstaltet das BMDS zudem Ende Juni einen zweitägigen Hackathon für Entwickler.
Dass KI-Agenten in der deutschen Verwaltung keine ferne Zukunftsmusik mehr sind, untermauert das Ministerium zeitgleich mit dem Abschluss eines weiteren Pilotprojekts. Im Rahmen des sogenannten „Agentic AI Hub“ erprobten 19 Kommunen über drei Monate hinweg den Einsatz intelligenter Systeme für administrative Routinen. Die Ergebnisse der dort durchgeführten 20 Pilotprojekte zeigen laut dem Ministerium Erleichterungen für den Alltag: Bei komplexen DSGVO-Auskunftsanträgen sank die Bearbeitungszeit um über 90 Prozent, bei Pflegeanträgen um fast die Hälfte.
Angesichts der hohen Zufriedenheit der Sachbearbeiter plant das BMDS ab 2027 ein dynamisches Beschaffungssystem, um solche praxistauglichen KI-Produkte unkompliziert und standardisiert in die Breite der Verwaltung zu tragen.