Angesichts des Konflikts mit dem Iran drängt US-Präsident Trump auf eine Fortführung des umstrittenen Spionage-Tools. Doch im Kongress formiert sich Widerstand.
In der Dauerdebatte über die Verlängerung des US-Überwachungsgesetzes FISA (Foreign Intelligence Surveillance Act) erhöht Präsident Donald Trump den Druck auf den Kongress. Kurz vor Ablauf der Frist am 20. April forderte der Republikaner nun eine "saubere" Verlängerung der besonders umkämpften Section 702 um 18 Monate. Dieses Werkzeug erlaubt es den Geheimdiensten, die Kommunikation im Ausland ohne richterlichen Beschluss zu überwachen. Trump bezeichnete das laut Politico als essenziell für die nationale Sicherheit und den Schutz von Truppen im Ausland. Besonders die aktuellen militärischen Aktivitäten gegen das iranische Regime dienten ihm als Argument für eine schnelle Entscheidung ohne neue Hürden.
Doch innerhalb der eigenen Partei stößt dieser Vorstoß auf unerwartet harten Widerstand. Eine Gruppe republikanischer Hardliner blockiert das Vorhaben, da sie weitreichende Reformen zum Schutz der Privatsphäre von US-Bürgern fordern. Im Zentrum der Kritik steht die Praxis, dass FBI-Mitarbeiter und andere Behördenvertreter in den massenhaft erhobenen Auslandsdaten gezielt nach Informationen über Amerikaner suchen können. Kritiker sprechen hierbei von einem "Backdoor-Suchlauf", der das verfassungsrechtliche Gebot richterlicher Durchsuchungsbeschlüsse umgehe.
Speaker Mike Johnson sah sich aufgrund der Rebellion in den eigenen Reihen gezwungen, eine geplante Abstimmung vorerst zu verschieben. Damit verschafft er den Reformbefürwortern wertvolle Zeit. Diese fordern unter anderem, dass Bundesagenten künftig zwingend einen richterlichen Beschluss benötigen, bevor sie Informationen über US-Staatsbürger in den FISA-Datenbanken abfragen dürfen. Ein ähnlicher Änderungsantrag war 2024 nur denkbar knapp gescheitert. Damals hatten Johnson und die Administration gemeinsam massiven Druck ausgeübt, um die Reform zu verhindern.
In dieser verfahrenen Situation könnten die Demokraten zum Zünglein an der Waage werden. Während die Parteilinke die Gunst der Stunde nutzen will, um zusätzliche Schutzmechanismen durchzusetzen, werben etablierte Stimmen wie Jim Himes, das ranghöchste Mitglied der Demokraten im Geheimdienstausschuss, für Trumps Kurs. Himes betonte, er habe bisher keine Beweise dafür gefunden, dass die Trump-Administration das Programm für illegale Zwecke oder zur Verfolgung politischer Gegner missbraucht habe. Dennoch herrscht in der Fraktion Skepsis, ob man einer Regierung, der man im Grunde misstraut, ein derart mächtiges Instrument ohne zusätzliche Zügel überlassen sollte.
Neben der Frage nach richterlichen Beschlüssen rückt ein weiteres Problem in den Fokus: das sogenannte Datenhändler-Schlupfloch. Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU warnen davor, dass Geheimdienste und Polizeibehörden den Schutz der Privatsphäre umgehen, indem sie Standortdaten, Suchverläufe und Transaktionsdaten einfach bei kommerziellen Datenhändlern einkaufen. FBI-Direktor Kash Patel bestätigte jüngst in einer Anhörung, dass diese Daten "wertvolle Erkenntnisse" lieferten. Reformer fordern, diese Hintertür im Zuge der FISA-Verlängerung endgültig zu schließen.
Befürworter einer schnellen Verlängerung argumentieren, dass die bereits 2024 implementierten Reformen ausreichten. Sie warnen vor einem Sicherheitsrisiko, sollte das Gesetz im April auslaufen. Dem halten Gegner wie Jamie Raskin entgegen, dass die Frist künstlich aufgebläht sei. Selbst wenn das Gesetz formell ausläuft, könnten bestehende Genehmigungen des geheimen Überwachungsgerichts die Datensammlung noch monatlich oder gar bis ins nächste Jahr hinein rechtlich absichern. Der Kampf um die digitale Souveränität und die Grenzen staatlicher Überwachung geht damit in Washington in eine entscheidende Phase.
Stefan Krempl