Donnerstag, 15. Oktober 2026

EU-weiter Elektroschrott: Nur 12,3 Kilogramm pro Kopf gesammelt

Neue Eurostat-Daten verweisen auf ein alarmierendes Missverhältnis: Deutschland verkauft massenhaft Geräte, versagt aber beim Recycling und droht EU-Quoten zu verfehlen.

Der Berg an Elektroschrott wächst in Europa kontinuierlich an – und Deutschland nimmt dabei eine unrühmliche Sonderrolle ein. Aktuellen Daten des EU-Statistikamtes Eurostat zum Internationalen Tag des Elektroschrotts zufolge gehört die Bundesrepublik zu den europäischen Spitzenreitern beim Neukauf von Elektronik, schneidet bei der Rücknahme und dem Recycling aber schlecht ab. 2024 wurden in der EU rund 14,6 Millionen Tonnen neue Geräte verkauft – ein massiver Anstieg von 91 Prozent seit 2012. Der EU-Durchschnitt bei der Sammlung von Altgeräten lag bei 12,3 Kilogramm oder insgesamt 5,5 Millionen Tonnen.

Während einige Mitgliedsstaaten hohe Quoten erreichen, offenbart sich ein alarmierendes Missverhältnis. Im Ländervergleich gehören Staaten wie Österreich, Deutschland, Dänemark, Spanien und die Niederlande mit Verbrauchswerten von 35,6 bis 38,2 Kilogramm pro Kopf zu den Spitzenreitern. Deutschland belegt dabei mit rund 38 Kilogramm einen Top-Platz. Doch mit einer amtlichen Sammelquote von 28,7 Prozent landet Deutschland im europäischen Vergleich im hinteren Feld. Zu den Schlusslichtern bei den Sammelraten zählen ferner Staaten wie Italien, Slowenien und Griechenland. Damit verfehlt die Bundesrepublik die verbindliche EU-Vorgabe von 65 Prozent meilenweit.

Umweltverbände wie das Europäische Umweltbüro (EEB) schlagen Alarm, da der Sektor noch immer weit von einer echten Kreislaufwirtschaft entfernt ist. Isabelle Radovan vom EEB moniert, dass Europa mehr Elektronik als je zuvor verbrauche und entsorge, ohne dass strukturelle Mängel behoben würden. Die wachsende Nachfrage verschlinge endliche Rohstoffe wie Lithium, Palladium und Kupfer. Rohstoffgewinnung und -verarbeitung verursachten global 55 Prozent der Treibhausgasemissionen, bis zu 40 Prozent der gesundheitlichen Belastungen durch Feinstaub sowie 90 Prozent des landbasierten Biodiversitätsverlusts. Kurze Produktlebensdauern, Reparaturhindernisse und unsachgemäße Entsorgung verschärften diese ökologischen Folgen. Große Mengen an Elektroschrott landeten im Restmüll oder würden illegal exportiert. Dies setze toxische Schadstoffe frei, zudem drohten Brände durch beschädigte Lithium-Ionen-Akkus.

Angesichts der Zahlen fordern Umweltorganisationen die EU-Kommission nachdrücklich auf, die anstehende Überarbeitung der WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment). Auch Reparatur und Wiederverwendung müssen verbindlich gestärkt werden. Marie-Jeanne Gaertner von RREUSE weist darauf hin, dass die Vorbereitungsraten zur Wiederverwendung mit unter zwei Prozent extrem gering seien, da die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) dies bisher nicht finanziere. Inés Alberico von Right to Repair Europe ergänzt, dass Instrumente wie Reparatur-Gutscheine helfen könnten. Diese erforderten aber verlässliche Finanzierungen über zweckgebundene EPR-Gebühren im Rahmen der EU-Richtlinie über Elektro-Altgeräte.

Stefan Krempl

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