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Montag, 9. März 2026

Phantom-Positionen im Golf: Wie GPS-Spoofing die Schifffahrt blind macht

Geopolitische Spannungen führen im Nahen Osten zu massivem Signal-Interferenz – mit gefährlichen Folgen für die globale Logistik und Flugsicherheit.

In den ersten 24 Stunden nach den ersten US-israelischen Luftschlägen auf den Iran verwandelte sich die digitale Landkarte des Persischen Golfs in ein technologisches Zerrbild. Kapitäne im Arabischen Meer rieben sich die Augen, berichtet CNN: Ihre Navigationssysteme meldeten plötzlich, die tonnenschweren Frachter befänden sich mitten auf einem Flughafen, auf dem Gelände eines Atomkraftwerks oder tief im iranischen Hinterland. Diese „Geisterfahrten“ sind kein Softwarefehler, sondern das Resultat massiver elektronischer Kriegsführung, die nun den zivilen Warenverkehr im Mark trifft.

Jamming und Spoofing als digitaler Schutzschild

Was die Region derzeit erlebt, ist ein beispielloses Ausmaß an GNSS-Interferenzen (Global Navigation Satellite System). Militärs und verbündete Gruppen nutzen zwei Techniken, um Drohnen- und Raketenangriffe abzuwehren: Beim Jamming werden die schwachen Satellitensignale durch starke Rauschsignale auf derselben Frequenz überlagert, was zum Totalausfall der Positionsbestimmung führt. Das weitaus tückischere Spoofing hingegen täuscht den Empfängern eine falsche Position vor.

Laut einem Bericht des Analysedienstes Windward waren allein am 28. Februar über 1100 Handelsschiffe in den Gewässern der VAE, Katars, Omans und des Irans betroffen. Die Folgen sind fatal: Das Automatic Identification System (AIS), das eigentlich Kollisionen verhindern soll, übermittelt falsche Daten oder wird von den Crews ganz abgeschaltet, um der Verwirrung zu entgehen. „Wenn Schiffe plötzlich auf dem Land angezeigt werden oder tausende Meilen weit weg springen, ist das zutiefst beunruhigend“, warnt Michelle Wiese Bockmann von Windward. In einer der engsten und wichtigsten Wasserstraßen der Welt, der Straße von Hormus, durch die 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasexporte fließen, kam der Verkehr zeitweise fast zum Erliegen.

Vom Schwarzen Meer bis in das Cockpit

Das Problem ist nicht neu, erreicht aber eine neue Qualität. Seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 gilt die elektronische Störung als „endemisch“ in Konfliktzonen. Ramsey Faragher vom Royal Institute of Navigation spricht von einer „Grey Zone Aggression“ – militärische Nadelstiche unterhalb der Schwelle zum offenen Krieg. Längst ist nicht mehr nur die Seefahrt betroffen. Auch in der Luftfahrt häufen sich Vorfälle: Die International Air Transport Association (IATA) registrierte zwischen 2021 und 2024 einen Anstieg von Signalverlusten um 220 Prozent.

Piloten berichten von „wegdriftenden“ Karten und Phantom-Warnungen, die zum sofortigen Steigflug auffordern, während das System suggeriert, man befände sich noch auf der Rollbahn. Sogar hochrangige Politik blieb nicht verschont: Im September war die Maschine von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Anflug auf Bulgarien von GPS-Jamming betroffen, was die Crew zwang, auf analoge Papierkarten zurückzugreifen.

Die Verwundbarkeit der Moderne

Dass GPS so leicht manipulierbar ist, liegt an der Physik: Die Signale legen über 20.000 Kilometer aus dem Orbit zurück und kommen auf der Erde extrem schwach an. Sie lassen sich daher leicht mit simplen Radiosendern übertönen. Während das europäische Galileo-System bereits erste Authentifizierungsmerkmale gegen Manipulation implementiert hat, hinken viele zivile Empfänger hinterher.

Erschwerend kommt hinzu, dass eine junge Generation von Nautikern und Technikern oft nicht mehr gelernt hat, ohne die „Bells and Whistles“ der digitalen Welt zu navigieren. Das Handwerk mit Sextant, Kompass und Radar rückt nun zwangsweise wieder in den Fokus. Doch die Gefahr geht über die reine Navigation hinaus. Faragher warnt insbesondere vor der Fehlfunktion von Notfallsystemen. Rettungswesten mit integrierten GNSS-Sendern würden im Ernstfall falsche Koordinaten senden – eine lebensgefährliche Situation in einem Gebiet, in dem Schiffe bereits unter Raketenbeschuss stehen.

Die technologische Antwort, etwa der Einsatz von Quantentechnologie zur Navigation oder gehärtete Antennen, ist zwar in Arbeit, aber teuer und zeitaufwendig. Der Konflikt im Nahen Osten fungiert somit als ein globaler Stresstest, der zeigt: Die Ära der ungestörten, kostenlosen Präzisionsnavigation im zivilen Raum ist vorerst vorbei. Die Welt muss lernen, sich im elektronischen Nebel zurechtzufinden.

Donnerstag, 5. März 2026

Krieg per Mausklick: Wenn die KI Ziele in Sekunden freigibt

Nach der Tötung von Ajatollah Chamenei offenbart die „Operation Epic Fury“ das Ausmaß der KI-Kriegsführung: 900 US-Angriffe in 12 Stunden setzen neue Maßstäbe.

Die Geschwindigkeit moderner Kriegsführung hat eine Dimension erreicht, die Experten als das Zeitalter von Angriffen „schneller als der Gedanke“ beschreiben. Während militärische Planungen für komplexe Operationen früher Tage oder gar Wochen in Anspruch nahmen, bricht der massive Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) diese Zeitspanne auf wenige Minuten oder gar Sekunden herunter. Die jüngsten Ereignisse im Iran verdeutlichen, dass wir uns längst nicht mehr in der Phase der theoretischen Erprobung befinden. Die KI ist zum zentralen Zahnrad der Vernichtungsmaschinerie geworden. Durch die Integration von Modellen wie Claude in Systeme des Rüstungsgiganten Palantir wurde die sogenannte „Kill Chain“ – der Prozess von der Zielerfassung über die rechtliche Prüfung bis hin zum finalen Befehl – radikal verkürzt.

In der ersten Phase der als „Operation Epic Fury“ bekannt gewordenen Eskalation führten die USA und Israel innerhalb von nur zwölf Stunden fast 900 Schläge gegen iranische Ziele aus. Diese beispiellose Frequenz ermöglichte unter anderem die gezielte Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei in dessen Teheraner Residenz. Experten wie Craig Jones von der Newcastle University warnen laut dem Guardian davor, dass diese Verdichtung von Entscheidungsprozessen menschliche Akteure zunehmend an den Rand drängt. Wenn eine Maschine Empfehlungen in einer Geschwindigkeit ausspricht, die das menschliche Reflexionsvermögen übersteigt, verkommen militärische und juristische Prüfer oft zu Statisten, die automatisierte Pläne nur noch im Sekundentakt absegnen. Das System generiert Optionen in einer Taktik, die gleichzeitig regimekritische Ziele ausschaltet und die Fähigkeit zur militärischen Reaktion im Keim erstickt.

Technisch leisten diese Systeme eine Arbeit, die für menschliche Analysten unmöglich wäre. Sie durchforsten in Echtzeit gigantische Datenmengen aus Drohnenaufnahmen, abgefangener Telekommunikation und menschlichen Geheimdienstquellen. Das für das Pentagon entwickelte System nutzt maschinelles Lernen, um Ziele nicht nur zu identifizieren, sondern sie auch nach Priorität zu ordnen. Dabei werden sogar Lagerbestände der eigenen Munition und die Erfolgswahrscheinlichkeit gegen ähnliche Ziele in der Vergangenheit berücksichtigt. Brisant ist der Einsatz von automatisierter Logik zur Bewertung der rechtlichen Grundlage eines Angriffs. Dabei wird versucht, das Völkerrecht in Algorithmen zu gießen, um die Legitimierung eines Schlages künstlich zu beschleunigen.

Doch diese Effizienzsteigerung hat ihren Preis. David Leslie, Professor für Ethik an der Queen Mary University, warnt vor dem Phänomen des „Cognitive Off-loading“. Wenn die mühsame Denkarbeit und die Abwägung von Risiken an eine Maschine ausgelagert werden, verlieren die verantwortlichen Menschen zunehmend den Bezug zu den Konsequenzen ihres Handelns. Die moralische Last einer Entscheidung scheint sich zu verflüchtigen, wenn sie auf mathematischen Wahrscheinlichkeiten einer Software basiert. Die tragischen Folgen dieser Entmenschlichung zeigten sich beim Einschlag einer Rakete in einer Schule im Südiran, bei dem laut Berichten 165 Menschen, darunter viele Kinder, getötet wurden. Während die UN von einer schweren Verletzung des humanitären Völkerrechts spricht, untersucht das US-Militär den Vorfall noch – ein Musterbeispiel für die Grauzonen, die entstehen, wenn Algorithmen die Zielwahl dominieren.

Trotz der ethischen Bedenken und der jüngsten politischen Spannungen zwischen dem Weißen Haus und dem KI-Entwickler Anthropic bleibt die Technologie vorerst im Einsatz. US-Präsident Trump hat Anthropic wegen Sicherheitsbedenken und „ideologischer Differenzen“ bereits auf eine Verbotsliste gesetzt. Doch die KI so tief in die militärischen Netzwerke eingebettet, dass ein sofortiger Verzicht operativ kaum möglich scheint. Die Konkurrenz schläft ohnehin nicht: OpenAI hat bereits Verträge mit dem Verteidigungsministerium unterzeichnet, um die Lücke zu füllen. Der Rüstungswettlauf der Algorithmen verändert nicht nur die Logistik, sondern die fundamentale Natur des Krieges selbst. Die Produktivität des Tötens wurde massiv gesteigert, doch die Zeit für Zweifel und menschliches Ermessen scheint in diesem neuen Zeitalter nicht mehr vorgesehen zu sein.