Das US-Militär exekutiert Nidal Malik Hasan im Dezember per Erschießungskommando – und will das blutige Spektakel im Netz übertragen. Die Vereinten Nationen schlagen Alarm.
Die Vereinten Nationen haben scharfe Kritik an den Plänen der US-Regierung geübt, die für Dezember geplante Hinrichtung des Attentäters Nidal Malik Hasan per Livestream zu übertragen. Ein derartiges Vorgehen komme einer öffentlichen Hinrichtung gleich und verstoße gegen das absolute Folterverbot, warnte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf. Sprecherin Shabia Mantoo betonte, dass öffentliche Exekutionen eine Form grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung darstellten. Die Nichtbeachtung dieses Grundsatzes mache die Hinrichtung willkürlich und verletze sowohl das Recht auf Leben als auch das Verbot von Folter.
Auch UN-Sprecher Stéphane Dujarric nannte die Aussicht auf eine staatlich angeordnete Tötung vor laufenden Kameras in New York schlicht abscheulich. Die Kontroverse entzündet sich an dem Fall des früheren Militärpsychiaters Hasan, der 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen erschossen und 32 weitere verletzt hatte. Ein Militärgericht hatte ihn daraufhin zum Tode verurteilt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bestätigte nun unlängst auf X und in einem Interview, dass die Exekution durch ein Erschießungskommando am 3. Dezember öffentlich im Internet übertragen werden soll, um als Abschreckung zu dienen.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande einer Veranstaltung, er sei zwar nicht direkt in die Entscheidung über den Livestream involviert gewesen. Er könne diese aber nachvollziehen, da ein Exempel statuiert werden solle. Zugleich hatte er die Hinrichtung zuvor genehmigt.
US-Vizepräsident J.D. Vance äußerte dagegen Zweifel, ob es tatsächlich zu der Live-Übertragung kommen werde. Auch er verwies aber auf die Schwere der Taten Hasans. Vance kündigte an, sich den Stream im Falle einer Ausstrahlung nicht anzusehen.
Das UN-Menschenrechtsbüro verwies in diesem Zusammenhang auf einen erst kürzlich veröffentlichten Bericht, der weltweit steigende Hinrichtungszahlen anprangert. Demnach wurden 2024 in 15 Staaten fast 1520 Exekutionen registriert, was einem Anstieg von rund 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspreche. Neben den aktuellen Vorgängen in den USA verwiesen die Vereinten Nationen auf weitere Problemfälle wie jenen der zum Tode verurteilten Christa Pike in Tennessee, die kürzlich eine falsch gesetzte Giftinjektion überlebte. Das UN-Menschenrechtsbüro erneuerte seine generelle Forderung nach der weltweiten Abschaffung der Todesstrafe. Es mahnte, dass Staaten unter keinen Umständen grausame, unnötig schmerzhafte oder demütigende Hinrichtungen durchführen dürften.
Stefan Krempl
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen