Mit 25 Millionen Euro der EU-Investitionsbank will OQ Technology sein Satellitennetzwerk ausbauen, um herkömmliche Smartphones und IoT-Geräte direkt mit dem Weltraum zu vernetzen.
Die europäische Raumfahrtindustrie rüstet technologisch auf, um im globalen Wettbewerb um die Souveränität im Orbit nicht den Anschluss zu verlieren. Im Zentrum dieser Bestrebungen steht aktuell das luxemburgische Unternehmen OQ Technology, das einen bedeutenden finanziellen Rückenwind aus Brüssel und Luxemburg erhält. Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt dem Spezialisten für Satellitenkommunikation ein Venture-Debt-Darlehen in Höhe von 25 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Finanzierung erfolgt im Rahmen der InvestEU-Initiative der Europäischen Kommission und markiert einen strategischen Schritt, um die Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau einer europäischen Konstellation von Kleinsatelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) massiv zu beschleunigen.
Das Hauptaugenmerk von OQ Technology liegt auf einer Technologie, die in der Branche als „Direct-to-Device“ (D2D) bezeichnet wird. Ziel ist es, eine nahtlose 5G-Konnektivität für handelsübliche Smartphones und Internet-of-Things-Geräte zu schaffen, ohne dass dafür spezielle Zusatzhardware oder klobige Satellitenantennen erforderlich sind. Während herkömmliche Mobilfunknetze an ihre physikalischen Grenzen stoßen, sobald Berge, Meere oder abgelegene ländliche Regionen ins Spiel kommen, schließt die geplante Satellitenflotte diese weißen Flecken auf der Landkarte von oben. Die Besonderheit des luxemburgischen Ansatzes liegt in der strikten Einhaltung internationaler Mobilfunkstandards wie dem 3GPP-Standard für Narrowband IoT (NB-IoT) und 5G New Radio. Das bedeutet, dass aktuelle Smartphone-Modelle von Herstellern wie Apple, Samsung oder Google theoretisch direkt mit den Satelliten kommunizieren können, um Kurznachrichten zu versenden oder im Notfall Hilfe zu rufen.
Erst kürzlich, im Jahr 2025, konnte OQ Technology einen wichtigen Meilenstein für die europäische Raumfahrt verbuchen. Als erstem Betreiber des Kontinents gelang es dem Unternehmen, eine Notfall-Broadcast-Nachricht direkt an unmodifizierte Smartphones zu senden. Dieser Erfolg unterstreicht die Reife der Technologie, die nun durch das frische Kapital der EIB skaliert werden soll. Geplant ist der Start von über 20 softwaredefinierten Multiband-Satelliten, die sowohl im S-Band als auch im C-Band operieren. Diese Flotte soll nicht nur die kommerzielle Nutzung vorantreiben, sondern auch eine resiliente und redundante Infrastruktur bieten, die bei Naturkatastrophen oder Angriffen auf terrestrische Netze als digitaler Schutzschirm fungiert.
Hinter der Finanzierung steht ein größeres politisches Ziel: die strategische Autonomie Europas im Weltraum. Da der Sektor weltweit rasant wächst, möchte die Europäische Union sicherstellen, dass kritische Technologien und die dazugehörige Infrastruktur in europäischer Hand bleiben. Das Projekt wird daher nicht nur als technologische Innovation, sondern als Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums betrachtet. Für Luxemburg, das sich über die letzten Jahrzehnte zu einem zentralen Hub der "New Space"-Ökonomie entwickelt hat, ist die Investition eine Bestätigung der eigenen Standortpolitik.
Mit dem neuen Kapital kann OQ Technology nun die Fertigstellung seiner ersten vollständigen Konstellation vorantreiben. Für Nutzer bedeutet dies perspektivisch eine höhere Sicherheit, da die Erreichbarkeit in abgelegenen Gebieten deutlich steigen wird. Für die Industrie wiederum eröffnet die globale 5G-Abdeckung aus dem All völlig neue Möglichkeiten für das Tracking von Gütern oder die Überwachung von Infrastrukturen in Echtzeit, unabhängig von der Verfügbarkeit lokaler Mobilfunkmasten. Der Weg von der Demonstration im Labor hin zu einem kommerziell tragfähigen, weltumspannenden Netzwerk scheint für die Luxemburger damit geebnet.
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