Freitag, 27. Februar 2026

Forschung als digitale Festung: Bär startet Offensive für Cybersicherheit

Mit einem neuen Eckpunktepapier stellt das Forschungsministerium die Weichen für die technologische Souveränität und eine resiliente digitale Infrastruktur.

Die zunehmende Vernetzung von Alltag, Wirtschaft und staatlichem Handeln bietet enorme Chancen, macht die Bundesrepublik jedoch gleichzeitig verwundbarer denn je. Ob kognitive Angriffe, digitale Erpressung oder die gezielte Sabotage kritischer Infrastrukturen – die Bedrohungslage im Cyberraum hat sich massiv verschärft. Als Antwort auf diese geopolitischen und technologischen Herausforderungen hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) nun das Eckpunktepapier „Cybersicherheit – Forschungspolitische Impulse“ vorgelegt. Es bildet das Fundament für ein neues, großangelegtes Forschungsrahmenprogramm, das im Jahr 2027 nahtlos an die aktuelle Förderung anschließen soll.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) unterstreicht die existenzielle Bedeutung dieses Vorhabens für den Standort Deutschland. Cybersicherheit sei weit mehr als ein technisches Detail; sie fungiere als Hebel für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Laut Bär schafft erst ein verlässlicher Schutz das notwendige Vertrauen in die digitale Gesellschaft und bildet die Basis für demokratische Prozesse sowie vernetztes Forschen. Ziel der Strategie ist es, Deutschland im Sinne der Hightech Agenda „cyberresilient“ zu machen – also fähig, Angriffen nicht nur standzuhalten, sondern aus Vorfällen zu lernen und die Funktionsfähigkeit von Staat und Wirtschaft unter allen Umständen aufrechtzuerhalten.

Das Konzept setzt dabei auf das Label „Cybersicherheit Made in Germany“. Dies steht nicht für nationale Abschottung, sondern für technologische Souveränität durch eigene Kompetenzen, die fest in europäischen Werten verankert sind. Ein zentraler Pfeiler der neuen Ausrichtung ist die Erforschung und Absicherung von Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Quantenkommunikation. Während KI einerseits die Abwehr von Angriffen automatisieren kann, entstehen durch sie neue Vektoren für Manipulationen und Deepfakes, die sogar demokratische Wahlen beeinflussen könnten. Die Forschung soll hier Lösungen liefern, die Sicherheit und Grundrechtsschutz von Beginn an – nach dem Prinzip „Values by Design“ – in die Systeme integrieren.

Besonderes Augenmerk liegt auf der praktischen Anwendung. Ein häufiger Kritikpunkt der vergangenen Jahre war die Lücke zwischen exzellenter Grundlagenforschung und marktfähigen Produkten. Das BMFTR will diesen Transfer nun massiv beschleunigen. Durch niedrigschwellige Formate, digitale Testfelder und die Förderung von Open-Source-Technologiebausteinen sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups unterstützt werden. Ziel ist ein lebendiges Innovationsökosystem, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse zügig in robuste Sicherheitslösungen für Lieferketten, Krankenhäuser oder Kraftwerke fließen.

Auch die menschliche Komponente wird nicht vernachlässigt. Das Papier sieht vor, die Ausbildung von Fachkräften zu stärken und Deutschland für internationale Talente attraktiver zu machen. Gleichzeitig soll die Cybersicherheitskompetenz in der breiten Bevölkerung gefördert werden, denn Sicherheit dürfe nicht kompliziert sein, sondern müsse einfach und benutzerfreundlich funktionieren.

Der nun angestoßene Roadmapping-Prozess ist explizit partizipativ gestaltet. Ein Fachkreis aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird das Programm bis zu seiner geplanten Veröffentlichung im ersten Quartal 2027 begleiten. Damit sendet das BMFTR ein klares Signal: Die digitale Souveränität Deutschlands ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur durch eine enge Verzahnung von Spitzenforschung, staatlicher Vorsorge und unternehmerischem Geist dauerhaft gesichert werden kann.

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