Mittwoch, 25. Februar 2026

Spione auf vier Rädern: Sicherheitsbehörden warnen vor China-Autos

Vernetzte Fahrzeuge sammeln massenhaft Umgebungsdaten, nun untersuchten deutsche Experten die Spionagegefahr chinesischer Modelle – die Ergebnisse sind geheim.

Die moderne Automobilindustrie hat das Fahrzeug längst neu definiert. Ob Elektroantrieb oder Verbrenner, die heutigen Wagen gleichen eher Hochleistungscomputern auf Rädern als klassischen Fortbewegungsmitteln. Bestückt mit hochauflösenden Kameras, sensiblen Mikrofonen, Radar- und Ultraschallsensoren erfassen sie permanent ihre Umwelt und sind fast ununterbrochen mit dem Internet verbunden. Was für den Fahrer Komfort und Sicherheit durch Assistenzsysteme bedeutet, entwickelt sich für deutsche Sicherheitsbehörden und die Bundeswehr zunehmend zu einem Albtraum in Sachen Spionageabwehr. Besonders Fahrzeuge chinesischer Hersteller stehen dabei im Fokus der Kritik, da die Sorge wächst, dass diese Technik auch ohne Wissen der Besitzer als Werkzeug zur Informationsbeschaffung missbraucht werden könnte.

In dieser Woche wird die Brisanz des Themas durch die politische Großwetterlage unterstrichen. Bundeskanzler Friedrich Merz weilt in China, um unter anderem Staatspräsident Xi Jinping zu treffen. Es ist ein diplomatischer Drahtseilakt, denn China festigte 2025 erneut seine Position als wichtigster Handelspartner Deutschlands. Doch während der wirtschaftliche Austausch floriert, verschärft sich der Wettbewerb auf dem Automobilmarkt drastisch. Chinesische E-Auto-Produzenten drängen mit Macht nach Europa und gewinnen rasant Marktanteile, während deutsche Marken im Reich der Mitte mit schrumpfenden Absatzzahlen kämpfen. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit kollidiert nun frontal mit den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik.

Nach gemeinsamen Recherchen von WDR und NDR haben das Bundesamt für Verfassungsschutz sowie die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis) bereits vor über einem Jahr ein diskretes Projekt gestartet. Die Experten nahmen Fahrzeuge mehrerer chinesischer Marken genau unter die Lupe, um zu klären, welche Datenmengen tatsächlich erhoben werden und ob diese Informationen unkontrolliert in das Ausland abfließen. Die Brisanz der Untersuchung zeigt sich vor allem im Schweigen der Beteiligten. Weder die Geheimdienste noch das Bundesinnenministerium wollen sich zu den konkreten Ergebnissen oder der daraus resultierenden Risikobewertung äußern. Sie verweisen lediglich darauf, dass die steigenden Marktanteile eine genaue Beobachtung notwendig machten, Details der technischen Aufklärung jedoch unter Verschluss bleiben müssten.

Während Deutschland offiziell noch zurückhaltend agiert, haben andere Staaten bereits Fakten geschaffen. In Großbritannien ist es untersagt, chinesische Fahrzeuge in die Nähe sensibler Einrichtungen zu steuern, und Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums dürfen ihre Dienstgeräte nicht mit der Bordelektronik dieser Autos koppeln. Auch Polen kündigte jüngst ähnliche Verbote für militärische Areale an. In Deutschland gibt es zwar noch keine einheitliche gesetzliche Regelung, doch im Verborgenen werden bereits Barrieren errichtet. So dürfen chinesische Autos nach vorliegenden Informationen nicht mehr auf den zentralen Parkplätzen des Operativen Einsatzführungskommandos in Schwielowsee bei Potsdam oder auf Liegenschaften des Bundesnachrichtendienstes stehen. Halter müssen dort auf gesonderte Flächen ausweichen, um eine mögliche Ausspähung der Gebäude durch die fahrzeugeigenen Sensoren zu verhindern.

Das Verteidigungsministerium stuft die Sensoren grundsätzlich als Bedrohung für die militärische Sicherheit ein, da sie für eine Fernausspähung geeignet sind. Dass diese Sorgen nicht unbegründet sind, zeigt ein Blick nach China selbst. Dort wurden westliche Fahrzeuge wie etwa von Tesla über Jahre hinweg von sensiblen Regierungsbereichen ferngehalten, bis sie spezielle Datensicherheitstests bestanden hatten. Experten warnen zudem vor dem neuen Trend der „Car Intelligence“, bei dem spezialisierte Firmen bereits Dienste anbieten, um Autodaten gezielt zu hacken und für Geheimdienste auszuwerten. Die „Smartphones auf Rädern“ könnten so unbemerkt zu einer flächendeckenden Infrastruktur für die Fernaufklärung werden, solange keine klaren Transparenzregeln für den Datenfluss existieren.

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