Dienstag, 29. September 2026

Sichere Behörden-IT: Bundesdruckerei und Zendis bringen OpenDesk für Verschlusssachen

Die Bundesdruckerei und das Zendis bündeln ihre Kräfte. Eine neue Lösung sichert den Open-Source-Arbeitsplatz OpenDesk für besonders sensible Behördendaten ab.

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland macht einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Sicherheit. Das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (Zendis) und die Bundesdruckerei haben dafür eine Zusammenarbeit besiegelt. Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung schlagen die beiden Akteure ein neues Kapitel auf. Ziel der strategischen Partnerschaft ist, die technologische Handlungsfähigkeit des Staates nachhaltig zu stärken und modernste Open-Source-Software auch für Einsatzbereiche nutzbar zu machen, die extrem hohen Sicherheitsanforderungen unterliegen.

Im Zentrum der vereinbarten Kooperation steht die Entwicklung und Bereitstellung souveräner IT-Infrastrukturen sowie zukunftsfähiger Betriebsmodelle. Durch die gebündelte Expertise sollen bestehende Lösungen weiterentwickelt, erprobt und großflächig in der Verwaltung skaliert werden. Wie diese Verbindung in der Praxis aussieht, wollen die Partner erstmals auf der Branchenmesse Smart Country Convention zeigen, die vom 13. bis 15. Oktober in Berlin stattfindet. Dort präsentieren Zendis und die Bundesdruckerei ein erstes konkretes Ergebnis ihrer Zusammenarbeit: die Absicherung der quelloffenen Software-Suite OpenDesk für den Umgang mit als "Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch" (VS-NfD) eingestuften Dokumenten.

Bislang standen Behörden häufig vor dem Dilemma, dass moderne Kollaborationswerkzeuge den strengen Vorgaben des Geheimschutzschutzes nicht ohne Weiteres genügten. Hier setzt der gemeinsame Demonstrationsexponat an. Der Showcase führt zwei etablierte Systeme zusammen: das vom ZenDiS bereitgestellte Office- und Kollaborationspaket und die Genusecure-Suite von Genua, einem IT-Sicherheitsunternehmen der Bundesdruckerei-Gruppe. Durch diese Integration soll der Zugriff auf den digitalen Arbeitsplatz so gehärtet werden, dass Nutzer auch in sensiblen Szenarien sicher arbeiten können.

Von dieser Lösung sollen künftig nicht nur Bundes- und Landesbehörden sowie Kommunen profitieren, sondern auch andere öffentliche Einrichtungen und private Unternehmen, die erhöhten Schutzbedarf aufweisen. So wird es mobilen Beschäftigten, verteilten Standorten oder externen Partnern ermöglicht, geschützt auf die gewohnten Werkzeuge zuzugreifen. Damit adressiert das System eine zentrale Anforderung der modernen Verwaltungspraxis, bei der örtlich flexibles Arbeiten und strikter Datenschutz Hand in Hand gehen müssen.

Aus Sicht der Verantwortlichen markiert der Schritt eine Weichenstellung. Zendis-Geschäftsführer Leonhard Kugler betont, dass digitale Souveränität und Cybersicherheit von Beginn an zusammen gedacht werden müssten. Starke Allianzen und transparente, offene Technologien seien unverzichtbar, um die digitale Unabhängigkeit Deutschlands auf lange Sicht zu garantieren. Frederik Blachetta, Chief Technology, Data & Innovation Officer und Geschäftsführer der Bundesdruckerei-Gruppe, verweist darauf, dass die Erweiterung des OpenDesk-Arbeitsplatzes um VS-NfD-Technologien beispielhaft zeige, wie aus Partnerschaften praxistaugliche Werkzeuge entstünden. Als IT-Unternehmen des Bundes wolle man aktiv dazu beitragen, das heimische Ökosystem für digitale Selbstbestimmung gezielt zu erweitern.

Technisch ruht das Gesamtpaket auf einer etablierten Sicherheitsarchitektur. Genusecure kombiniert unter Windows einen VPN-Client, eine zuverlässige Festplattenverschlüsselung und eine Smartcard-Middleware zu einem geschützten Gesamtsystem. Im Hintergrund sorgt das VPN-Gateway Genuscreen für die strikte Segmentierung des VS-NfD-Netzwerks. Diese Firewall- und VPN-Lösung liegt sowohl als dedizierte Hardware als auch in virtualisierter Form vor und verfügt über die erforderliche BSI-Zulassung. Um der Vielfalt der Behörden-IT gerecht zu werden, arbeitet Genua an einem Multiplattformansatz. Der VPN-Client Genuconnect für macOS durchläuft derzeit das BSI-Zulassungsverfahren. Eine Genehmigung wird bis Ende des Jahres angestrebt. Die Zertifizierung einer Linux-Variante ist für 2027 geplant.

OpenDesk selbst ist dabei, sich als Säule für die öffentliche Verwaltung zu etablieren. Erst kürzlich startete das Zendis ein Partnerprogramm für die Suite, um privaten Cloud-Anbietern die Entwicklung eigener Angebote auf dieser Basis zu ermöglichen. Durch die Kooperation mit der Bundesdruckerei wirdOopenDesk nun auch für sicherheitskritische Anwendungsfelder fit gemacht.

Stefan Krempl

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen