Sonntag, 25. Oktober 2026

Dynamische Stromtarife: Steigende Nachfrage trifft auf Smart-Meter-Engpass

Laut einer Umfrage für die Smart-Meter-Initiative wächst das Interesse an flexiblen Stromtarifen in Deutschland. Doch der schleppende Ausbau der Zähler bremst Verbraucher.


Das Interesse an dynamischen Stromtarifen in Deutschland nimmt spürbar zu. Einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Smart-Meter-Initiative zufolge weiß mittlerweile mehr als die Hälfte der Erwachsenen im Land von diesen flexiblen Tarifen, während es 2024 erst 38 Prozent waren. Allerdings offenbart die Studie auch eine Wissenslücke: Nur rund die Hälfte der Personen, denen ein solcher Tarif ein Begriff ist, ist sich tatsächlich im Klaren, was sich im Detail dahinter verbirgt. Inhaltlich orientieren sich diese Tarife am Börsenstrompreis, der im Viertelstundentakt je nach Angebot und Nachfrage schwankt und bei viel Wind- oder Solarstrom besonders günstig ausfällt.

Aktuell geben nur drei Prozent der Befragten an, bereits einen solchen dynamischen Stromtarif zu nutzen. Weitere 15 Prozent erwägen einen künftigen Abschluss. Um den eigenen Stromverbrauch automatisiert in diese günstigen Börsenstunden verlagern zu können, ist ein Smart Meter erforderlich. Genau hier liegt das größte Nadelöhr des Energiemarktes. Jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge war Mitte des Jahres gerade einmal in knapp sechs Prozent der Haushalte in Deutschland ein intelligenter Zähler installiert. Damit hinkt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich weit hinterher.

Matthias Martensen, CEO von Ostrom und Mitgründer der Smart-Meter-Initiative, kritisiert diese Diskrepanz. Ein knappes Fünftel der Bevölkerung habe einen dynamischen Tarif oder wolle einen, aber nur knapp sechs Prozent verfügten über das nötige Messsystem. Um diese Lücke zu schließen, unterstützt die Initiative die Pläne der Bundesregierung zur Einführung eines im Funktionsumfang reduzierten Smart Meter Light. Solche vereinfachten Zähler könnten auch Haushalten ohne Großverbraucher den Zugang zu günstigem Strom ermöglichen.

Auch das Wissen über die benötigte Hardware wächst nur langsam. Der Anteil der Bürger, die über Smart Meter Bescheid wissen, stieg von 30 auf 39 Prozent. Doch bei der Bestellung herrscht Verwirrung: Nur 35 Prozent kennen den korrekten Ansprechpartner, den Messstellenbetreiber. Die Mehrheit glaubt fälschlicherweise, der Stromanbieter oder der Vermieter sei dafür zuständig. Dennoch zeigt die Umfrage, dass fast 30 Prozent der Haushalte bereits Energiewende-Technologien wie Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen verwenden. Martensen hebt hervor, dass dynamischer Stromverbrauch kein Nischenthema mehr sei und nur durch einen beschleunigten Rollout sein volles Potenzial entfalten könne. Die repräsentative Studie stützt sich auf Online-Interviews mit rund 2000 Personen, die YouGov im Oktober durchgeführt hat.

Stefan Krempl

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