Bundespräsident Steinmeier fordert Transparenz beim KI-Einsatz in der Politik. Wer das Verfassen von Texten an Algorithmen auslagere, gefährde das Vertrauen in die Demokratie.
Die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz in den politischen Alltag hat eine Auseinandersetzung über Authentizität und Glaubwürdigkeit entfacht. Nun schaltet sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in die Diskussion ein und warnt vor den Gefahren einer unbedachten Nutzung automatisierter Textgeneratoren durch politische Entscheidungsträger. Wer durch Wahlen die Verantwortung und Macht des Volkes übertragen bekomme, dürfe unter keinen Umständen den Verdacht nähren, das eigene Urteilsvermögen an eine maschinelle Texterzeugung abzugeben. Ein solcher Kontrollverlust, betont das Bundespräsidialamt gegenüber dem Spiegel, beschädige unser politisches Fundament. Transparenz und die glaubwürdige Bereitschaft, jederzeit das eigene Wort als authentisch einordnen zu können, gehörten untrennbar zur Integrität der Politik.
Eine weitere gravierende Gefahr für das Vertrauen der Bürger in die demokratischen Institutionen sieht der Bundespräsident in der missbräuchlichen Verwendung von KI-Anwendungen etwa durch gezielte Täuschung mittels visueller oder textlicher Fälschungen. Gleichzeitig verkennt Steinmeier aber nicht das transformative und unterstützende Potenzial der neuen Technologien.
In der Stellungnahme ordnet das Bundespräsidialamt KI-Assistenten und KI-unterstützte Suchmaschinen ausdrücklich als innovative Instrumente ein, die den Menschen bei der täglichen Arbeit wertvolle Dienste leisten können. Die gezielte Durchsuchung, Organisation, Strukturierung und Nutzung großer Datenmengen mithilfe leistungsstarker Modelle gehöre längst zur Normalität. Ob bei der Informationsbeschaffung, der Recherche, der komplexen Analyse oder der Übersetzung aus und in Fremdsprachen – der administrative Nutzen sei unbestritten.
KI als Werkzeug ohne Autorschaft
Entscheidend ist aus Sicht des Bundespräsidenten die Einhaltung einer klaren Hierarchie: KI-Anwendungen müssen reine Werkzeuge bleiben, die den Vorrang der menschlichen Intelligenz und Bewertung unter keinen Umständen beschädigen. Oft erfordere schon die bekannte Fehleranfälligkeit aktueller KI-Systeme im staatlichen Kontext ein Höchstmaß an Sorgfalt und eine permanente menschliche Korrektur.
Daher geht das Bundespräsidialamt bei der eigenen Nutzung mit gutem Beispiel voran. Steinmeier selbst verzichtet für seine Reden und Grußworte vollständig auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Seine Mitarbeiter nutzen nach Angaben des Hauses KI-Systeme zwar als eines von mehreren Rechercheinstrumenten im Rahmen der hausinternen Vorgaben, verfassen die Entwürfe als Grundlage für den Präsidenten aber stets selbst und in enger Abstimmung mit den Fachabteilungen. Auch nicht in Teilen werden Reden von KI generiert, um die Authentizität des gesprochenen Wortes zu wahren.
Um den internen Umgang mit den neuen Systemen auf ein solides Fundament zu stellen, wurde im Bundespräsidialamt bereits 2024 eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Diese beleuchtet die vielfältigen Aspekte von KI und prüft mögliche Anwendungsbereiche im Haus. Aktuell probt dem Bericht zufolge eine Gruppe von Beschäftigten den Einsatz der Technik etwa für das Zusammenfassen öffentlicher Dokumente wie Berichte und Studien sowie die automatisierte Sprachumwandlung von gesprochenen Beiträgen in schriftliche Texte. Um klare Richtlinien für die Zukunft zu verankern, wird im Präsidialamt momentan ein Entwurf für eine verbindliche Dienstanweisung erarbeitet, die den verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie im Staatsdienst abschließend regeln soll.
Stefan Krempl
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