Mittwoch, 29. April 2026

Elektro schlägt Verbrenner: Warum der neue Tankrabatt am Preisvorteil scheitert

Trotz der geplanten Steuersenkung auf Diesel und Benzin bleiben E-Autos im Unterhalt deutlich günstiger – besonders für Besitzer von Solaranlagen.

Die Diskussion über die Kosten der Mobilität erreicht in diesen Tagen einen neuen Höhepunkt. Die Bundesregierung versucht mit einer Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die Belastung für Autofahrer ab dem 1. Mai zu lindern. Doch aktuelle Berechnungen des Hamburger Energiedienstleisters 1Komma5° zeigen, dass dieser politische Eingriff das grundlegende Preisgefüge zwischen fossilen und elektrischen Antrieben kaum verschiebt. Selbst wenn die Preise an den Tankstellen für zwei Monate um 17 Cent pro Liter fallen, bleibt das Laden eines Elektroautos in fast jedem Nutzungsszenario die wirtschaftlich attraktivere Wahl.

Der Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den Antriebsarten. Ein herkömmlicher Benziner schlägt derzeit mit durchschnittlich 15,56 Euro pro 100 Kilometer zu Buche. Werden die versprochenen Entlastungen der Bundesregierung wirksam, sinkt dieser Wert lediglich auf 14,25 Euro.

Im direkten Vergleich dazu wirkt der Betrieb eines Elektroautos fast wie ein Schnäppchen: Wer sein Fahrzeug zu Hause an der heimischen Wallbox mit dem deutschen Durchschnittsstrompreis von 37 Cent pro Kilowattstunde lädt, zahlt für dieselbe Strecke lediglich 7,34 Euro. Damit bewegen sich die Fahrtkosten für Stromer bei knapp der Hälfte dessen, was für einen Verbrenner fällig wird – Tankrabatt hin oder her. Auch Diesel-Fahrer profitieren von der Steuersenkung nicht in einem Maße, das den Abstand zur Elektromobilität gefährlich schrumpfen ließe; ihre Kosten liegen mit eingerechnetem Rabatt immer noch bei rund 13,93 Euro.

Oft wird in der Debatte angeführt, dass Mieter ohne eigene Lademöglichkeit oder Langstreckenfahrer durch hohe Preise an öffentlichen Ladesäulen benachteiligt seien. Doch selbst dieses Szenario hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Geht man von einem Preis von 60 Cent pro Kilowattstunde an einer öffentlichen Station aus, ergeben sich Kosten von etwa 11,90 Euro pro 100 Kilometer. Das sind immer noch 16 Prozent weniger als die Kosten für Benzin unter Berücksichtigung des kommenden Steuervorteils. Das E-Auto behält also auch ohne den „Heimvorteil“ der eigenen Steckdose die Nase vorn.

Jannik Schall, Mitgründer von 1Komma5°, betont in diesem Zusammenhang, dass sich der Kostenvorteil durch die Krise der fossilen Energien deutlich vergrößert hat und eine kurzfristige politische Maßnahme wie der Tankrabatt an dieser strukturellen Überlegenheit nichts ändert.

Die wahre Revolution der Mobilitätskosten findet jedoch hinter der Haustür statt. Das maximale Sparpotenzial erschließt sich jenen, die Mobilität und Eigenheim energetisch verknüpfen. Durch die Kombination einer Photovoltaikanlage mit einem Batteriespeicher und einer intelligenten Steuerung lassen sich die Kosten pro 100 Kilometer auf einen Bruchteil reduzieren. Werden dynamische Stromtarife genutzt, lädt das System das Fahrzeug bevorzugt dann, wenn das Angebot am Markt hoch und der Preis niedrig ist – etwa in den windstarken Nachtstunden oder bei strahlendem Sonnenschein. Ein durchschnittlicher Preis von 12 Cent pro Kilowattstunde ist in einem solchen vernetzten Ökosystem absolut realistisch.

In der Praxis bedeutet das, dass die Kosten für 100 Kilometer Fahrt auf nur noch 2,38 Euro sinken können. Im Vergleich zum Benziner entspricht dies einer Ersparnis von rund 85 Prozent. Der entscheidende Hebel ist die Nutzung des selbst erzeugten Solarstroms, da in diesem Fall keine Steuern, Abgaben oder Umlagen anfallen. Intelligente Softwaresysteme übernehmen dabei heute die komplexe Aufgabe, zwischen dem Eigenstrom vom Dach und dem günstigen Börsenstrom abzuwägen, ohne dass der Nutzer selbst Zeitfenster oder Preisentwicklungen überwachen muss.

Stefan Krempl

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