Die US-Polizei nutzt riesige Datenbanken für anlasslose Abfragen – oft mit verheerenden Folgen für Unschuldige, wie eine Studie von Rights & Security International belegt.
Ein Mausklick im Streifenwagen kann in den USA über Freiheit oder Gefängnis entscheiden, manchmal sogar über Leben und Tod
Die Studie „Dangerous Data“ stützt sich auf die Analyse von über 130 Zivilklagen vor US-Bundesgerichten. Die darin dokumentierten Fälle offenbaren ein System, in dem polizeiliches Fehlverhalten durch fehlerhafte Daten oder den Missbrauch korrekter Informationen begünstigt wird. Ein zentrales Problem ist „Automation Bias“: Beamte vertrauen den Angaben auf ihrem Bildschirm oft blind, selbst wenn diese veraltet sind oder der Realität vor Ort widersprechen
Die menschlichen Kosten dieser digitalen Gläubigkeit sind hoch. Nathaniel Maybin Jr. saß 17 Monate lang unschuldig im Gefängnis, weil er aufgrund fehlerhafter Datenbankabfragen fälschlicherweise für einen Raubüberfall verantwortlich gemacht wurde. Robert Tolan wurde von Polizisten angeschossen, nachdem ein Fehler in einer Kennzeichen-Datenbank zu einer automatischen Warnmeldung geführt hatte
Doch nicht nur rassistische Diskriminierung ist ein Thema. Die Recherche zeigt, dass Polizisten Datenbanken auch für persönliche Zwecke missbrauchen, etwa um Frauen nachzustellen. Im US-Bundesstaat Minnesota fragten Beamte die Führerscheindaten einer bekannten Fernsehmoderatorin fast 4000 Mal ab – ohne jeden dienstlichen Grund. Sogar eigene Kollegen werden zum Ziel solcher „elektronischen Peeping Toms“.
Ein großes Hindernis für die Betroffenen ist die juristische Hürde der „Qualified Immunity“
RSI und PI warnen davor, dass diese Entwicklung kein rein amerikanisches Phänomen bleibe. Auch in der EU und Großbritannien würden Befugnisse zur Datenerfassung massiv ausgeweitet, etwa durch Gesichtserkennung oder den Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten
Stefan Krempl
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