Mit 15 Millionen Euro fördert das Forschungsministerium eine neue Plattform, die Stromnetze durch zivil-militärische Kooperation vor hybriden Angriffen schützt.
Die Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur ist in den Fokus der Sicherheitspolitik gerückt, da unbemannte Flugsysteme zunehmend für Spionage und Sabotage genutzt werden. Um den bestehenden Defiziten bei der Erkennung und Abwehr solcher Bedrohungen zu begegnen, hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das Innovationszentrum „SicherNetz“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt soll Wissenschaft, Wirtschaft sowie zivile und militärische Akteure auf einer deutschlandweit einzigartigen Plattform zusammenführen. Ziel ist die Entwicklung praxistauglicher Lösungen, die den Schutz kritischer Versorgungsanlagen im Energiesektor nachhaltig verbessern.
Das Vorhaben ist Teil der Hightech-Agenda Deutschland und wird im Rahmen des Programms für zivile Sicherheit mit insgesamt 15 Millionen Euro gefördert. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) unterstreicht zum Start des "Hubs": Die Gesellschaft sei heute mit dynamischen Bedrohungslagen konfrontiert, die nur durch eine enge Verzahnung verschiedener Sicherheitsaspekte bewältigt werden könnten. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Resilienz des Stromnetzes gegenüber hybriden Szenarien, wobei der Transfer von der Forschung in die Anwendung durch eine spezielle Demonstrations- und Erprobungsumgebung beschleunigt werden soll.
Im Zentrum der Aktivitäten steht eine umfassende Analyse aktueller und zukünftiger Gefahren durch Drohnen, die gemeinsam von der Universität der Bundeswehr München und dem Innovationszentrum der Bundeswehr durchgeführt wird. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen sowohl aktive Detektionssysteme als auch passive Schutzmaßnahmen erforscht werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung neuer Werkstoffe, die bauliche Strukturen von Kraftwerken oder Umspannwerken physisch gegen Angriffe absichern können.
Damit die entwickelten Technologien nicht nur theoretisch funktionieren, schafft „SicherNetz“ reale Testumgebungen, die die gesamte Bandbreite der Energieversorgung abdecken. In diesen Anlagen können Technologieanbieter und Start-ups ihre Systeme unter realitätsnahen Bedingungen erproben, etwa in simulierten Umspannwerken oder im militärischen Testzentrum in Erding. Die Simulation von Störereignissen ermöglicht es zudem, die Auswirkungen von Angriffen und die Effektivität der Verteidigungssysteme separat zu untersuchen, ohne den laufenden Betrieb der echten Infrastruktur zu gefährden.
Neben den technischen Aspekten widmet sich das Projekt auch regulatorischen Rahmenbedingungen. Die Analyse organisatorischer Richtlinien soll Empfehlungen liefern, um rechtliche Hürden für den Einsatz von Abwehrtechnologien abzubauen. Durch die Einbindung von Partnern wie TenneT, den Stadtwerken München sowie verschiedenen Polizeibehörden und Industrieunternehmen wird dem Plan nach sichergestellt, dass die Lösungen direkt auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind. Langfristig soll so ein digitales Lagebild entstehen, das durch verbesserte Kommunikationsstrukturen eine schnellere Reaktion auf Bedrohungen ermöglicht und die Investitionssicherheit für die Betreiber kritischer Infrastrukturen erhöht. Das Projekt ist auf eine Laufzeit bis Dezember 2029 angelegt.
Stefan Krempl
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