Mit einer neuen strategischen Partnerschaft rücken Deutschland und die Ukraine militärtechnisch eng zusammen und setzen auf digitale Gefechtsdaten für neue Waffen.
Im Rahmen der jüngsten Regierungskonsultationen in Berlin am Dienstag haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Weichen für eine neue Ära der militärischen Zusammenarbeit gestellt
Ein Kernstück der Vereinbarungen ist der Ausbau der Drohnenproduktion. Deutschland und die Ukraine haben eine Durchführungsvereinbarung zur gemeinsamen Fertigung von Langstreckenkampfdrohnen des Typs Anubis sowie Mittelstreckenkampfdrohnen vom Typ Seth-X unterzeichnet. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, die technologische Überlegenheit gegenüber der russischen Aggression zu sichern und die europäische Verteidigungsindustrie unabhängiger zu machen. Bemerkenswert ist die geplante Einbeziehung von Drittstaaten: Eine weitere Vereinbarung regelt die Bereitstellung dieser Drohnentechnologie an Partner im Ausland, was die strategische Reichweite der deutsch-ukrainischen Rüstungsschmiede unterstreicht.
Neben der Hardware spielt die Software eine entscheidende Rolle für die künftige Verteidigungsstrategie. Die Verteidigungsminister beider Länder unterzeichneten ein Abkommen über den Austausch digitaler Gefechtsdaten. In der Ukraine gewonnene Erkenntnisse aus dem direkten Einsatz deutscher Waffensysteme wie der Panzerhaubitze 2000 oder dem Flugabwehrsystem IRIS-T fließen künftig unmittelbar in die deutsche Rüstungsplanung ein. Kiew teilt dabei auch Expertise aus eigenen digitalen Systemen, darunter das KI-gestützte Erkennungssystem Avenger und das Gefechtsführungssystem Delta. Dieser Datentransfer soll die Basis sein für die Entwicklung völlig neuer Waffensysteme, die auf den extrem harten Bedingungen eines modernen Abnutzungskrieges basieren.
Merz betonte in diesem Zusammenhang die beispiellose Innovationskraft der ukrainischen Verteidigungsindustrie, die in den vergangenen Jahren eine technische Leistungsfähigkeit erreicht habe, die in Europa bisher unerreicht war. Die Kooperation sei daher kein einseitiger Akt der Unterstützung, sondern ein wesentlicher Beitrag zur deutschen und europäischen Sicherheit. Durch die Bündelung der deutschen industriellen Basis mit der ukrainischen Kampferfahrung sollen ferner Fortschritte bei der Abwehr ballistischer Flugkörper beschleunigt werden.
Die Partnerschaft erstreckt sich auch auf das Feld der Künstlichen Intelligenz im öffentlichen Sektor. Beide Regierungen vereinbarten eine Zusammenarbeit zur Förderung "souveräner KI". Geplant ist die Entwicklung europäischer KI-Modelle und Produkte, die unter anderem im Bereich der Daseinsvorsorge und im öffentlichen Dienst eingesetzt werden sollen
Begleitet werden diese technologischen Projekte von umfangreichen Finanzzusagen. Deutschland stellt neue Mittel im Umfang von bis zu 233 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit bereit, wobei ein Schwerpunkt auf der industriellen Kooperation und der Energieresilienz liegt. Zudem sind Investitionen von mehr als 110 Millionen Euro bis 2029 für den Wiederaufbau und die Reform des ukrainischen Wissenschafts- und Hochschulwesens vorgesehen, um die Ukraine enger in den Europäischen Forschungsraum einzubinden. Mit der Eröffnung einer Niederlassung der Ukrainischen Verteidigungsindustrie (UDI) in Berlin wird die Zusammenarbeit auch physisch in der deutschen Hauptstadt verankert.
Stefan Krempl
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