Der BDEW-Elektromobilitätsmonitor 2026 belegt einen massiven Ausbau des Ladenetzes und Rekordzulassungen bei Elektro-Pkw trotz investitionsschwachem Umfeld.
Die Elektromobilität in Deutschland hat 2025 einen entscheidenden Gang hochgeschaltet und setzt diesen Trend im ersten Quartal 2026 mit noch mehr Dynamik fort
Laut Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Verbands BDEW, hat die Branche das Ladeangebot im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen deutlich über den aktuellen Bedarf hinaus ausgebaut. Dies spiegelt sich in den Daten des 8. Elektromobilitätsmonitor wider: Trotz der Rekordzahlen bei den Neuzulassungen lag die durchschnittliche Belegung der Ladepunkte im Jahr 2025 bei lediglich zwölf Prozent
Zulassungsrekorde und Preisangleichung
Das Jahr 2025 markiert mit rund 545.000 neu zugelassenen E-Pkw (BEV) einen historischen Höchststand, was einem Anteil von 19,1 Prozent an allen Neuzulassungen entspricht
Gleichzeitig schwindet ein bisheriges Hauptargument gegen den Umstieg: der Preis. Seit 2022 ist eine deutliche Angleichung der Listenpreise zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennern über fast alle Segmente hinweg zu beobachten
Hohe Nutzerzufriedenheit und Preistransparenz
Entgegen landläufiger Mythen zeigen Nutzerbefragungen ein positives Bild der Ladesituation. 86 Prozent der E-Mobilisten sind mit dem öffentlichen Ladeangebot zufrieden, 58 Prozent gaben sogar an, dass ihre Erwartungen übererfüllt wurden. Interessanterweise unterscheidet sich die Zufriedenheit zwischen Personen mit privater Wallbox und reinen "Öffentlich-Ladern" nur geringfügig.
Auch die Sorge vor "Wucherpreisen" an der Ladesäule scheint unbegründet zu sein. Mehr als 80 Prozent der Befragten haben noch nie oder nur sehr selten mehr als 80 Cent pro Kilowattstunde gezahlt
Forderungen an die Politik
Trotz der positiven Zahlen mahnt der BDEW eine vorausschauende Strategie der Bundesregierung an. Um die Investitionsschwäche im Mobilitätssektor zu überwinden und Klimaschutzziele zu erreichen, brauche es gezielte Anreize für Flotten, nachhaltige Steuervorteile für Privatwagen und eine Senkung der Stromsteuer. Auch für den Schwerlastverkehr fordert der Verband eine Wiederauflegung von Förderprogrammen für E-Lkw und die entsprechende Infrastruktur. Elektromobilität, so Andreae, mache Deutschland in geopolitisch unsicheren Zeiten unabhängiger von fossilen Brennstoffen und schütze vor Preissprüngen an den Tankstellen. Das dichte Netz ist ein Beleg für den Fortschritt: In Gemeinden, die bereits über öffentliches Laden verfügen, leben 95 Prozent der Bevölkerung – zum Vergleich haben nur 42 Prozent der Gemeinden überhaupt noch eine klassische Tankstelle.
Stefan Krempl
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