Trotz der Bedrohung durch KI-Manipulation und Streaming-Betrug wachsen die weltweiten Musikumsätze das elfte Jahr in Folge auf ein neues Allzeithoch.
Die globale Musikindustrie blickt auf ein historisches Jahr 2025 zurück. Erstmals haben die weltweiten Einnahmen aus Musikverkäufen die Marke von 30 Milliarden US-Dollar überschritten und erreichten mit 31,7 Milliarden US-Dollar ein neues Rekordniveau. Laut dem aktuellen Global Music Report 2026 des Weltverbands IFPI (PDF) entspricht dies einem Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich der seit über einem Jahrzehnt anhaltende Wachstumstrend eindrucksvoll fort. Besonders bemerkenswert ist, dass im vergangenen Jahr nahezu jede Region der Welt Zuwächse verzeichnen konnte, wobei Lateinamerika mit einem Plus von 17,1 Prozent die Spitzenposition beim Wachstum einnahm.
Der wichtigste Motor dieser Entwicklung bleibt das Musikstreaming, das inzwischen 69,6 Prozent des gesamten Marktumsatzes ausmacht. Vor allem das kostenpflichtige Abo-Streaming treibt die Zahlen voran: Die Einnahmen in diesem Segment stiegen um 8,8 Prozent und steuerten damit mehr als die Hälfte zum globalen Gesamtumsatz bei. Weltweit nutzen mittlerweile 837 Millionen Menschen ein bezahltes Streaming-Abonnement, was die tiefe Verankerung digitaler Musiknutzung im Alltag der Fans unterstreicht. Doch nicht nur digital boomt es: Das physische Geschäft erlebte 2025 eine Renaissance und wuchs mit 8,0 Prozent sogar schneller als das Streaming-Segment. Ein wesentlicher Treiber war hier die ungebrochene Nachfrage nach Vinyl, deren Umsätze im 19. Jahr in Folge um 13,7 Prozent zulegten.
IFPI-Chefin Victoria Oakley betont, dass dieses Wachstum kein Zufall ist, sondern auf den engen Partnerschaften zwischen Musikfirmen und Kreativen basiert. Die Investitionen der Labels ermöglichen es Künstlern weltweit, ihre Visionen umzusetzen und globale Erfolge zu feiern. Gleichzeitig steht die Branche vor technologischen Herausforderungen. Das Thema Generative KI wird dabei nicht als Feind, sondern als Chance begriffen, sofern die Rechte der Urheber gewahrt bleiben. Musikunternehmen arbeiten bereits aktiv an Lizenzierungsmodellen mit KI-Entwicklern, um sicherzustellen, dass Technologie die menschliche Kreativität unterstützt und nicht ersetzt. Der Schutz des Urheberrechts bleibt dabei das Fundament für zukünftige Innovationen.
Ein dunkler Schatten auf der Erfolgsbilanz ist jedoch die zunehmende Streaming-Manipulation. Betrüger nutzen Bots und KI, um künstliche Abrufzahlen zu generieren und so Gelder aus dem gemeinsamen Tantiemen-Pool zu entwenden. „Streaming-Betrug ist Diebstahl, schlicht und einfach“, stellt Oakley klar. Die Branche geht bereits juristisch gegen solche Dienste vor, fordert aber eine stärkere Kooperation aller Akteure entlang der digitalen Wertschöpfungskette. Auch Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des deutschen Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Er appelliert an die Politik, das Urheberrecht und die KI-Regulierungen in Deutschland und Europa nicht aufzuweichen, um die Dynamik des legalen Marktes zu schützen und faire Wettbewerbsbedingungen für menschliche Schaffenskraft zu erhalten.
Stefan Krempl
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