371 Sicherheitsforscher kritisieren die weltweiten Pläne zur Altersverifikation im Netz als technisch riskant, leicht umgehbar und gefährlich für die Privatsphäre.
Die Debatte um den Jugendschutz im Internet erreicht eine neue Eskalationsstufe. Während Regierungen weltweit – von Australien bis Europa – restriktive Altersgrenzen für soziale Medien und KI-Dienste vorantreiben, meldet sich nun die wissenschaftliche Fachwelt mit einer deutlichen Warnung zu Wort. In einem am Montag herausgegebenen offenen Brief fordern 371 Experten für IT-Sicherheit und Datenschutz ein sofortiges Moratorium für die Einführung von Systemen zur Altersverifikation
Unter den Unterzeichnern befinden sich internationale Schwergewichte wie der Turing-Award-Preisträger Ronald L. Rivest vom MIT und Bart Preneel, Präsident der International Association for Cryptologic Research
Die Kritik der Forschenden setzt an der technischen Machbarkeit und der Wirksamkeit an. In ihrem Schreiben stellen sie klar, dass eine effektive Altersprüfung im Internet eine Infrastruktur erfordern würde, wie sie heute schlicht nicht existiert
Ferner warnen die Experten vor der leichten Umgehbarkeit der Systeme. Schon heute zeigen Erfahrungen, dass Jugendliche Sperren mühelos mittels VPN-Verbindungen, geliehenen Accounts oder KI-generierten Deepfakes umgehen
Besonders skeptisch beäugen die Wissenschaftler die Erhebung biometrischer Daten zur Altersschätzung. Diese Verfahren seien oft ungenau, diskriminierend gegenüber Minderheiten und schafften neue Begehrlichkeiten für Datensammler
Anstatt auf lückenhafte Zugangskontrollen zu setzen, plädieren die Unterzeichner dafür, die Ursachen von Online-Gefahren für Kinder und Jugendliche anzugehen. Sie schlagen vor, algorithmische Praktiken sozialer Netzwerke stärker zu regulieren und Eltern bessere Werkzeuge zur lokalen Kontrolle an die Hand zu geben, anstatt eine globale Überwachungsinfrastruktur zu zementieren. Bevor der wissenschaftliche Konsens über die Folgen dieser tiefgreifenden technologischen Intervention nicht geklärt ist, sei ein Rollout gesellschaftlich nicht vertretbar
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