Mittwoch, 11. März 2026

Kobalt-Skandal im Kongo: Spur führt zu BMW, Mercedes und VW

Ein Bericht der Environmental Investigation Agency belastet den Bergbau-Riesen CMOC schwer: Giftige Emissionen im Kongo verletzen offenbar Lieferketten-Standards deutscher Autobauer.


Der Glanz der deutschen Elektromobilität bekommt tiefe Kratzer. Während BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen ihre Nachhaltigkeitsstrategien offensiv vermarkten, wirft eine Untersuchung der Environmental Investigation Agency (EIA) und der Organisation PremiCongo ein Schlaglicht auf die dunkle Seite der Rohstoffgewinnung. Im Zentrum steht die Tenke Fungurume Mine (TFM) in der Demokratischen Republik Kongo, betrieben von der chinesischen CMOC Group, dem weltweit größten Kobaltproduzenten. Der Vorwurf wiegt schwer: Eine gigantische neue Verarbeitungsanlage soll die Luft derart mit Schwefeldioxid (SO2) vergiftet haben, dass eine öffentliche Gesundheitskrise ausgebrochen ist.


Die Dimensionen des Kobalt-Abbaus vor Ort sind gewaltig. Die 2023 eröffnete Verarbeitungsanlage „30k“ erstreckt sich über eine Fläche von 500 Fußballfeldern. Hier wird das Erz für die Batterien aufbereitet, die später in deutschen Premium-Fahrzeugen verbaut werden. Doch laut dem Bericht „Toxic Transition“ zahlen die Menschen vor Ort den Preis für diese Transformation. Die EIA analysierte über 1.200 medizinische Berichte aus lokalen Kliniken und dokumentierte einen drastischen Anstieg von schweren Symptomen. Anwohner leiden demnach unter chronischem Husten, Nasenbluten und dem Erbrechen von Blut. Auch die Zahl der Fehlgeburten und Geburtsfehler sei seit der Inbetriebnahme der Anlage alarmierend gestiegen.

Unabhängige Luftmessungen bestätigten, dass die Schwefeldioxid-Werte massiv über den internationalen Grenzwerten liegen. Schwefeldioxid ist ein stechend riechendes, giftiges Gas, das bei der Verarbeitung von Kupfer-Kobalt-Erz entsteht und die Atemwege schwer schädigt. Insiderberichte legen nahe, dass die Produktion selbst dann weiterlief, wenn Alarmsysteme vor der Gasbelastung warnten. Arbeiter hätten ihre Posten aus Angst vor Kündigungen nicht verlassen, was die systematische Missachtung von Sicherheitsstandards unterstreicht.

Deutsche Hersteller unter Rechtfertigungsdruck

Für die deutsche Automobilindustrie ist dieser Bericht brisant, da er die Wirksamkeit des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes hinterfragt. Die EIA-Analyse weist nach, dass Kobalt aus genau dieser Mine in der Lieferkette von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen landet. Damit stehen die Unternehmen in der Pflicht, die Arbeits- und Umweltbedingungen bei ihren Zulieferern aktiv zu kontrollieren und bei Verstößen einzugreifen.

Die Reaktionen der Konzerne fallen differenziert aus. Mercedes-Benz teilte mit, man habe bereits einen Dialog mit dem Minenbetreiber TFM initiiert und eigene Prüfungen angestoßen, die jedoch zunächst keine Mängel bei den Schwefelemissionen bestätigt hätten. BMW erklärte, man untersuche Hinweise auf Verstöße in der Lieferkette grundsätzlich konsequent. Stellantis, der Mutterkonzern von Peugeot, bestätigte die Sourcing-Beziehung und räumte ein, dass externe Audits bereits Berichte über „schwere Krankheiten durch Verschmutzung“ identifiziert hätten. Von Volkswagen lag bis zum Erscheinen des Berichts keine detaillierte Stellungnahme zu den Vorwürfen vor.

Das Versagen der Zertifikate

Besonders scharfe Kritik übt die EIA an den gängigen Industriezertifikaten. Die betroffene Mine TFM wurde erst im Juni 2024 mit dem „Copper Mark“ ausgezeichnet – einem Siegel, das eigentlich hohe ökologische und soziale Standards garantieren soll. Dass eine Mine, die laut Untersuchung nationale Gesetze bricht und über 10.000 Menschen vertrieben hat, eine solche Auszeichnung erhält, lässt Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser freiwilligen Kontrollmechanismen aufkommen.

CMOC selbst weist die Vorwürfe einer Gesundheitskrise und illegaler Emissionen zurück und verweist auf eigene Monitoring-Daten, die im Einklang mit den Vorschriften stünden. Die Umweltschützer der EIA fordern jedoch, dass die Konzerne im Globalen Norden aufhören, bei der Rohstoffbeschaffung wegzusehen. Eine echte Energiewende dürfe nicht auf der systematischen Zerstörung von Lebensgrundlagen im Globalen Süden basieren.

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