Zehn Batteriewerke laufen, doch Großprojekte stocken. Während China den Markt dominiert, kämpft die Bundesregierung laut einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage mit Pausen, Stopps und dem ACC-Rückzug.
Der Traum von der technologischen Souveränität bei der Elektromobilität ist derzeit von ständigen Auf und Abs geprägt. Die Bundesregierung hebt in ihrer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsraktion eine wachsende industrielle Basis hervor. Doch die nackten Zahlen verweisen auf eine Branche im Wartemodus
Das Joint Venture, an dem Schwergewichte wie Stellantis und Mercedes-Benz beteiligt sind, hat seine Pläne in der Westpfalz faktisch beendet und will sich auf den bestehenden Standort in Frankreich konzentrieren. Als Gründe führt die Bundesregierung eine schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie eine angespannte Finanzlage bei den Herstellern an. Für die Region Westpfalz bedeutet dies den potenziellen Verlust von bis zu 2000 Arbeitsplätzen und eine empfindliche Delle in der regionalen Wertschöpfung. Dennoch gibt sich die Exekutive in Berlin verhalten optimistisch: Eine endgültige Entscheidung zur Standortschließung sei nach ihrer Kenntnis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht final getroffen worden, auch wenn Gespräche mit dem Betriebsrat bereits liefen.
Die Bestandsaufnahme des federführenden Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt ein zweigeteiltes Bild der deutschen Batterielandschaft. Neben den zehn aktiven Standorten – darunter prominente Werke wie das von CATL in Arnstadt oder kleinere Spezialfertigungen von Varta und BMW – finden sich in der offiziellen Statistik immer mehr Projekte, deren Zukunft ungewiss ist
Hinter den Kulissen kämpft die Branche mit einem doppelten Druckszenario: Innenpolitisch fehlt es oft an Planungssicherheit, während der globale Wettbewerb – insbesondere durch Überkapazitäten und unfaire Handelspraktiken aus China – zunimmt. Die EU verfügt zwar über eine wachsende industrielle Basis, doch der Aufbau ist stark durch ausländische Direktinvestitionen geprägt. Rund 80 Prozent der europäischen Kapazitäten liegen bei Unternehmen mit Hauptsitz außerhalb der EU
Ein weiteres kritisches Feld bleibt die Rohstoffabhängigkeit. Um sich gegen globale Verwerfungen zu wappnen, setzt Berlin auf die Umsetzung des europäischen Critical Raw Materials Act. Ziel ist es, bis 2030 signifikante Anteile der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung innerhalb der EU zu halten und die Recyclingauoten drastisch zu erhöhen. So sollen etwa bei Lithium bis 2031 mindestens 80 Prozent aus Altbatterien zurückgewonnen werden. Auch bei den Kosten versucht die Exekutive gegenzusteuern: Die Stromsteuersenkung und die Einführung eines Industriestrompreises ab 2026 sollen die energieintensive Fertigung im Land halten
Stefan Krempl
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