Freitag, 6. März 2026

Hessens Masterplan Mobilfunk: Mit Satelliten und Paragrafen gegen die Funklöcher

Die schwarz-rote Landesregierung Hessens will bis 2030 eine nahezu lückenlose 5G-Abdeckung erreichen und setzt dabei auf schnellere Genehmigungen sowie Weltraum-Technik.

Hessen hat ein topografisches Problem, das Smartphone-Nutzer regelmäßig in die Verzweiflung treibt: Über 40 Prozent der Landesfläche bestehen aus Wald. Was Wanderer freut, ist für Mobilfunkplaner ein Albtraum, denn Bäume und Täler schlucken Signale. Rund 90 Prozent der verbliebenen weißen Flecken im Land befinden sich in Forstgebieten wie dem Odenwald oder dem Nationalpark Kellerwald-Edersee. Doch damit soll nun Schluss sein. Digitalministerin Kristina Sinemus hat in Wiesbaden den „Masterplan Mobilfunk 2030“ vorgestellt. Das Ziel ist ambitioniert: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll auf 99,5 Prozent der Landesfläche ein Empfang in 5G-Qualität möglich sein – und zwar über alle Netze hinweg.

Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, hat das Land eine umfassende Vereinbarung mit den vier großen Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone, o2 Telefónica und 1&1 geschlossen. Bis Ende 2029 sieht der Pakt vor, dass rund 4000 Mobilfunkstandorte entweder komplett neu errichtet oder mit modernster Technik ertüchtigt werden. Es ist bereits die dritte Kooperation dieser Art. Seit dem Start der ersten Offensive im Jahr 2020 wurden bereits 11.000 Maßnahmen umgesetzt. Die Zahlen belegen den Fortschritt: Lag die flächenmäßige Abdeckung bei Amtsantritt von Sinemus noch bei mageren 56,2 Prozent, kletterte sie im vergangenen Jahr bereits auf 77,5 Prozent. Dennoch rangiert Hessen im bundesweiten Vergleich der Bundesnetzagentur aktuell nur auf Platz 13, was die Abdeckung mit 4G angeht – nur Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz stehen noch schlechter da.

Der neue Masterplan setzt an den empfindlichsten Stellen des Netzausbaus an: der Bürokratie und der Infrastruktur. Ein zentraler Hebel ist die Reform der Hessischen Bauordnung. Hier wurde eine sogenannte Genehmigungsfiktion verankert. Das bedeutet, dass Mobilfunkmasten automatisch als genehmigt gelten, wenn die Behörden nicht innerhalb von drei Monaten widersprechen. Zudem wurde der Ausbau rechtlich als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft, was Klageverfahren beschleunigen und Hindernisse bei der Standortsuche abbauen soll. Auch die Kooperation mit Stromnetzbetreibern wird intensiviert, da der Anschluss entlegener Masten an das Stromnetz oft länger dauert als der eigentliche Bau des Turms.

Für Orte, an denen selbst der schnellste Bagger nicht weiterkommt oder an denen sich ein klassischer Mast wirtschaftlich schlicht nicht rechnet, blickt Hessen gen Himmel. Vodafone und die Telekom planen, schwierige Areale wie Nationalparks künftig via Satellit zu versorgen. Während moderne Smartphones bereits heute Notrufe über Satellitenverbindungen absetzen können, soll diese Technologie perspektivisch auch normale Telefonie und Datennutzung direkt auf das Handy ermöglichen – ganz ohne terrestrische Infrastruktur vor Ort. Das Land greift den Anbietern zudem finanziell unter die Arme: Wo der Ausbau unrentabel ist, fließen Fördermittel. Bisher wurden bereits acht Millionen Euro für 13 besonders schwierige Standorte bewilligt.

Neben der Schließung der aktuellen Lücken blickt das Ministerium bereits auf die nächste Technologiegeneration. Am Frankfurter Bertramshof entsteht ein 6G-Testfeld, das auf Open-Source-Software und Hardware „Made in Hessen“ basiert. Hier soll erprobt werden, wie KI-Methoden künftig Angriffe auf Netze erkennen oder Prozesse automatisieren können. Die Vertreter der Mobilfunkkonzerne zeigten sich bei der Vorstellung des Plans ungewohnt einig in ihrem Lob für die hessische Verwaltung. Die Zusammenarbeit bei der Standortakquise und das Tempo der Genehmigungen seien im Vergleich zu anderen Bundesländern vorbildlich. Mit dem Masterplan will Hessen den Sprung vom hinteren Mittelfeld auf die digitale Überholspur schaffen, um die Vision gleichwertiger Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land endlich Wirklichkeit werden zu lassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen