Dienstag, 31. März 2026

Krisenfeste Kommunikation: Bundesregierung rüstet Digitalfunk für Ernstfall nach

Nach Anschlägen und Netzpannen steht die Sicherheit der Behördenkommunikation im Fokus. Investitionen in physischen Schutz und technische Redundanz sollen die Resilienz stärken.


Die Verlässlichkeit der digitalen Infrastruktur ist in Krisenzeiten die Lebensversicherung einer modernen Gesellschaft. Doch wie steht es um die Kommunikationsfähigkeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, wenn das Stromnetz versagt oder gezielte Angriffe die Technik lahmlegen? In ihrer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Fraktion hat die Bundesregierung nun dargelegt, wie sie den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wetterfest für künftige Herausforderungen machen will. Sie verdeutlicht darin, dass die Sicherheit der kritischen Infrastruktur längst nicht mehr nur ein abstraktes IT-Thema ist, sondern ganz reale bauliche und investive Konsequenzen nach sich zieht.

Der Handlungsbedarf ist nicht theoretischer Natur, wie zwei einschneidende Ereignisse der jüngeren Vergangenheit zeigen. Zum einen sorgte am 6. Mai 2025 ein massives Netzwerkproblem für eine bundesweite Störung des BOS-DigitalfunksZum anderen führte ein mutmaßlich terroristischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde am 3. Januar 2026 zu einem tagelangen Stromausfall, von dem rund 45.500 Kunden betroffen waren. Solche Vorfälle offenbaren die Verwundbarkeit der Systeme, auf die sich Bürger im Notfall verlassen müssen.

Die Bundesregierung betont nun in ihrer Antwort, dass der Digitalfunk, der mit über 5000 Basisstationen bereits über 99 Prozent der Fläche Deutschlands abdeckt, kontinuierlich modernisiert werdeEin Pfeiler dabei sei der physische Schutz der Anlagen. Die Exekutive plant für die Jahre 2026 bis 2028 verstärkte Investitionen in physische Barrieren und moderne ÜberwachungstechnikDabei geht es etwa um den Ausbau von Technikgebäuden des Bundes, um die sensiblen Knotenpunkte des Netzes besser vor unbefugtem Zugriff oder Sabotage zu schützenDie finanziellen Mittel in den aktuellen Haushalten von Bund und Ländern hält die Regierung für ausreichend, wobei die Verfügbarkeit und Sicherheit der Systeme bei allen Planungsschritten oberste Priorität genössen.

Kritisch ist die Frage der Autarkie bei einem großflächigen Blackout. Hier orientiert sich die Exekutive an den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ziel ist eine Härtung der Basisstationen, die eine Verfügbarkeit von bis zu 72 Stunden auch ohne externe Stromzufuhr gewährleisten sollDerzeit befinden sich bundesweit 5070 dieser Stationen in einer permanenten Alarmüberwachung, um Störungen sofort detektieren zu könnenParallel dazu prüft die Bundesnetzagentur im Dialog mit den kommerziellen Mobilfunkanbietern, wie auch das zivile Netz resilienter gestaltet werden kann. Es gilt im Krisenfall als wichtige Ergänzung.

Sollten dennoch alle digitalen Stricke reißen, setzt der Bund auf eine mehrstufige Warnstrategie. Selbst bei einem gleichzeitigen Ausfall des Mobilfunks und des BOS-Digitalfunks bleibe die Kommunikation gewährleistet, heißt es in der VorlageWarnmeldungen können in solchen Extremszenarien über Multiplikatoren wie Radiosender verbreitet werden, um die Bevölkerung über den aktuellen Sachstand und Hilfsangebote zu informierenDamit die Abläufe im Ernstfall reibungslos funktionieren, werden verschiedene Notfallszenarien – inklusive Blackouts und gezielter Anschläge – regelmäßig in großangelegten Übungen trainiertDie technische Redundanz wurde der Auskunft zufolge nach den Fehlern vom Mai 2025 zudem so optimiert, dass identische Netzwerkfehler künftig ausgeschlossen werden sollen.

Stefan Krempl


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